3. Reise nach Kabul (25.04 - 31.05.2001)
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| Klasse | Schülerzahl |
| 12 |
30
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| 11A |
32
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| Englisch-Klasse 11B |
50
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| 10A |
52
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| Englisch-Klasse 10B |
56
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| 9A |
42
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| 9B |
31
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| Englisch- Klasse 9C |
100
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| 8A |
52
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| 8B |
48
|
| 8C |
44
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| 8D |
52
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| 8H |
50
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| 7A |
47
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| 7B |
55
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| 7C |
53
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| 7D |
52
|
| 7H |
70
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| Summe (1) |
710
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| Summe (2) |
206
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| Schüler insgesamt: |
916
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Pünktlich um 8 Uhr beginnt der Unterricht und endet nach insgesamt 6 Unterrichtsstunden zu je 45 bzw. 40 Minuten um 12.15 Uhr ohne jede Pause. Vor dem Unterricht versammeln sich alle Schüler in der Mehrzweckhalle und lauschen der Koranrezitation eines Kameraden, ehe sie geordnet in ihre Klassenräume gehen. Die Buben der Unterklassen tragen meist weiße Käppis. Mit 10 Jahren müssen sie um ihre Kopfbedeckung einen schwarzen Turban winden. Waren die älteren Schüler dem Ausländer gegenüber im vergangenen Jahr freundlich, aufgeschlossen, ja sogar übermütig, so sind sie jetzt mehr verschlossen, die Abiturienten distanziert. Die kleinen Buben sind nach wie vor zutraulich und kontaktfreudig.
In Deutschland heißt es, in Afghanistan werde an den Schule überwiegend heiliger Koran gelehrt. Die Stundentafel des Amani-Gymnasiums dokumentiert es anders:
| Fach | Wochenstunden |
| Religion | 5 |
| "Rat" (Ethik?) | 1 |
| Geschichte | 2 |
| Dari | 2 |
| Pashtu | 2 |
| Arabisch | 2 |
| Deutsch | 2 |
| Englisch | 2 (z.Z. nur Kl. 9C, 10B, 11B an Stelle von Deutsch) |
| Algebra | 3 |
| Geometrie | 3 |
| Trigonometrie | 1 (nur Kl. 12) |
| Informatik | 0 |
| Physik | 3 |
| Chemie | 3 |
| Biologie | 3 |
| Geographie | 2 |
| Sport | 0 (seit Schuljahrsbeginn 2001)* |
| Kunsterziehung | 0 |
| Musik | 0 |
| (Erste Hilfe) | (1) (jeweils 2 Schüler der Klassen 8 - 12) |
(* Die Mehrzweckhalle wird jetzt nachmittags von Sportvereinen genutzt.)
Der Fremdsprachenunterricht kommt viel zu kurz. Entsprechend kläglich sind die Sprachkenntnisse. Diese Situation ist an allen Kabuler Gymnasien die gleiche. Ich werde in diesem Zusammenhang beim Präsidenten für die Kabuler Schulen vorstellig.
Seit wenigen Tagen hat die AORS einen neuen Direktor. Er ist Paschtune, stammt aus der Provinz Farah in SW-Afghanistan und hatte zuvor beim Talibansender Radio Shariat gearbeitet. Gholam Haider Radji bemüht sich sehr um kooperative Zusammenarbeit. Generell wird der Wechsel in der Schulleitung positiv gewertet.
Eine Woche nach meiner Ankunft in Kabul ist es endlich so weit: Der Pickup fährt in den Erdgeschossgang der AORS, die gesamte Hilfssendung an Lehrmaterial wird ausgeladen. Zwei Tage lang stempeln*) drei Personen die Deutschbücher, Lese- und Grammatikhefte aus Deutschland, die naturwissenschaftlichen Skripten aus Peshawar (insgesamt 1679 Stück), das chin. Mikroskop, 16 Biologie-Lehrtafeln, 1 Wandkarte Deutschland, 10 Volleybälle und 4 Volleyball-Netze, damit sie dem Direktor als Spende am 10. Mai feierlich übergeben werden können. Bereits am 8. Mai hatte ich dem 1. Stellvertr. Erziehungsminister, S.E. Mauween Abdul Salam Hanifi , eine Kollektion von Mustern der verschiedenen mitgebrachten Lehr- und Lernmittel überreicht. Dank besonderer Hilfe aus Berlin und einer großzügigen für Lehrmittel zweckgebundenen Geldspende einer Stiftung ist dem FAOK diese Unterstützungsaktion der AORS möglich.
Tags darauf werden die ersten Bücher an die Schüler verteilt.
Die zweckgebundene Geldspende ermöglicht weitere Förderung: Auf einer Blitzreise in das inzwischen vormonsunheiße Peshawar gebe ich später die Reproduktion von 300 Expl. "Deutsch für Afghanen" in Auftrag. Chemiegeräte, Chemikalien und Sportschuhe werden gekauft. In Kabul können die Handwerker einer Wohlfahrtsgesellschaft verdienen: 5 Sammlungsschränke, 25 Bücherregale und die Einrichtung des zukünftigen Informatikraumes sollen hier entstehen.
Um die Wiederentstehung des "Lesesaals" hat sich der treue Bibliothekar und Deutschlehrer, Ahmad Shah Khan, sehr verdient gemacht. Er hatte im Basar gestohlene Bücher entdeckt, sie dem Händler abgenommen und auf der Suche nach weiteren Restbeständen sogar das Radio eingeschaltet. Am 01.01.01 eröffnete er erneut einen Bibliotheksraum als "Lesesaal" der Amani-Oberrealschule. Dort konnte ich ihm im Mai (gemeinsam mit der Liegenschaftsverwalterin des AA, Frau Salimi) 2 Kassettenrekorder für die LEU-Sprachkassetten übergeben.
Die viele Tage in Anspruch nehmende Lebensmittelspende-Aktion ist schon bald Routine. Und doch gilt es immer wieder von Neuem Geldmengen zu tauschen. Man muss handeln, handeln, handeln, aufpassen, dass auch wirklich die ausgesuchte Ware geliefert wird und keine schlechtere. - Im vom German Medical Service reparierten Raum, den ich im vergangenen Jahr als Ausgaberaum benutzen konnte, lagert das Erziehungsministerium jetzt sein Holz. So nehmen wir den Nachbarraum. - Natürlich quittieren alle Beschenkten wieder mit Unterschrift, Siegelring oder Fingerabdruck. Aber, verbergen sich unter ihrer Chaadari auch wirklich "unsere" arbeitslosen Lehrer- und Dienerinnen? Jede muss dem Taliban-Direktor ihren Personalausweis mit Lichtbild zeigen. Pro Person werden vom FAOK an die 97 Hilfsbedürftigen 100 kg Weizenmehl, 50 kg Reis, 25 kg Zucker, 16 kg Fett verteilt. Diese Lebensmittel haben eine Wert von 150,- DM, (was mehr als drei Monatsgehältern eines AORS-Lehrers entspricht). Die Freude über die neuerliche Naturalienspende ist groß.
Der afghanische Lehrertag am 24. Mai erinnert mich an frühere Zeiten. Was fehlt, ist die Musik. Wie vor 40 Jahren werde ich mit Blütenkränzen geehrt, zwar nicht an eine von Hammelfleischreis überquellende Tafel aber zu Tee und Gebäck eingeladen. Trotz Armut existiert die afghanische Gastfreundschaft immer noch. Ich erwidere sie für die beiden Deutschlehrer und die Kollegen der Naturwissenschaften in einem "guten" Kababrestaurant gegenüber dem Schar-e-Nau-Park unter dem Segen eines großen Kaababildes. Noch vor 20 Jahren bestand eine Mahlzeit aus 8 Spießen, heute sind es drei mickrig bespickte. Der internationale Konzern macht mit Pepsi und Fanta dem nationalen Chaay Konkurrenz.
"Ausflugsziele"
Natürlich könne ich nach Kares-e-Mir. Es sei zwar viel kaputt und gäbe nichts zu sehen....- Die Fahrt findet nicht statt!
"Am ... nehme ich Sie mit ins Schakar-Dara! "(EinigeTage später)" Leider geht es nicht. Sie brauchen ein besonderes Permit. Schon zu nahe an der Front!"
Das für eine Ersatzausfahrt nach Paghman georder te Auto lässt lässt mich umsonst warten.
Ex-Kommandant Haji Faruk steuert das Auto von OFARIN (Organisation zur Förderung afghanischer regionaler Initiativen und Nachbarschaftshilfen e.V.) rasant durch die Straßen. Ein junger Mann hat sich den Arm gebrochen und braucht die Hilfe von Dr. Willi K. im Indira Ghandi-Krankenhaus. Auf der Station des HAMMer FORUM liegt ein Bub, der am Vortag nach einem Blindgänger gegriffen hatte. Seine Hand wurde dabei zerfetzt. - In der Tang-e-Gharou, auf den Hügeln hinter dem Flugplatz, an den Berghängen von Paghman liegen immer noch Minen. - Mehrere afgh. Ärzte arbeiten seit 3 Stunden an einer Oberschenkeloperation.
Im Kabul Peace House leben z. T. tagsüber 64 durch Kriegseinwirkungen behinderte afgh. Jungen; . Sie waren meist längere Zeit über die Aktion Friedensdorf zur medizinischen Behandlung in Deutschland. Jetzt sind sie alle Schüler der Amani-Oberrealschule. Mit ihnen gibt es ein besonders freudiges Wiedersehen.
Das türkische Gymnasium kann ich nicht mehr aufsuchen. Es wurde eine Woche vor meiner Ankunft von Seiten der Taliban-Regierung geschlossen, die türkischen Kollegen nach Hause geschickt.
Dagegen bin ich Gast in zwei der vielen privaten Sprachschulen, die neben Computerschulen überall wie Pilze aus dem Boden schießen. Für täglich 1 Stunde zahlt ein Schüler 1 - 2 DM pro Monat. Der Lerneifer, nicht nur für Englisch, auch für Mathematik, Physik, selbst Deutsch ist sehr groß - und das am Nachmittag bei großer Hitze in ungelüfteten, engen Räumen.
Frau Salimi zeigt mir die dt. Botschaft. Von den Sandsäcken abgesehen sieht das Kanzlei-Gebäude von aussen recht schmuck aus. Bei flüchtigem Hinsehen gewahrt man sogar kaum die mit Brettern vernagelten Fenster des Obergeschosses. Innen dagegen ist alles von den Raketeneinschüssen, den Bränden sehr mitgenommen: geschwärzte Türen und Wände, kaputte Decken, Brandgeruch, Staub. Man ist froh, schließlich wieder unten in dem einzig intakten Büroraum zu sein, wo die nimmermüde, engagierte, stets einsatzbereite, für Deutschland und Afghanistan lebende Frau Salimi ihren Arbeitsreich hat.
Wie könnte ich ohne den German Medical Service in Kabul existieren? In dem gastfreien Anwesen gibt es stets Rat und Hilfe, die neusten Informationen. Bei den tapferen, sich seit Jahrzehnten für Afghanistan aufopfernden Männern findet man ein Stück Heimat und kann immer wieder Kraft "auftanken" - seelisch und physisch.
Die Zukunft
Afghanistan lässt mich nicht los. Der Krieg will nicht enden. Die Not ist größer geworden, die Arbeitslosigkeit noch extremer. "Ich werde wiederkommen", verspreche ich den Lehrern der Amani-Oberrealschule. Bis zum Oktober werden hoffentlich so viel Spendengelder auf dem FAOK-Konto sein, dass ich den Kollegen im ärmsten Land Asiens wieder helfen kann.
Eine Woche nach meiner Rückkehr berichte ich im Raum München von "unserer" Schule, meinen Mai-Aktivitäten in Kabul, zeige die neusten Dias. - Gerne bin ich bereit, auch anderswo Info-Veranstaltungen zu geben, wenn eine interessierte gebefreudige Zuhörerschaft garantiert ist.
Ein Interview der "Deutschen Welle", eine Podiumsdiskussion der "Badischen Zeitung", sind terminiert.
In den nächsten Tagen wird der FAOK Listen einer Lehrmittelspende an verschiedene afghanische Ministerien zwecks Erhalt der Zollbefreiung senden. Deutschbücher, ein Dia-Projektor, Overheadprojektoren, Lehrmittel für Mathematik, Physik, Biologie sollen mit einem kleinen LKW als Beifracht auf dem Landweg Mitte August nach Kabul transportiert werden....
Chaada Hafez!
D. Meyer-Oehme