Bericht 20. Mai 2005

Die Schlinge


Ruthild Meyer-Oehme
Kabul / Afghanistan
E-Mail: meyeroehme@aol.com
(immer noch keine Postanschrift)

Die Schlinge

20. Mai 2005: Djuma!, freier Tag! Passatwind! Sonne! Die Rosen blühen! Lonicera verströmt allabendlich ihren verführerischen Duft! - Gleich wird die feiertägliche Ruhe durch die vom Mullah über Lautsprecher verkündete Kampfpredigt gegen die chaaridji (Ausländer) gestört werden.

Auf den Karren am Straßenrand reihen sich der Wildrhabarberstangen. Daneben werden die ersten Mangos aus Pakistan angeboten.

Vergessen ist der harte Winter, der Januar mit seien Schneemassen, der klirrenden Kälte, in dem trotz Plastikfolie an den Fenstern das Thermometer im Wohnzimmer nicht über 12 Grad stieg. Stromausfall - jetzt ein fast unbekanntes Wort. Damals nur jede 3. Nacht ein paar Stunden flackernde Elektrizität, zu wenig um Handy aufzuladen, PC, Waschmaschine zu betätigen, für die zudem das Wasser im Dachtank wochenlang eingefroren war.

Eisiger Wind pfeift durch die offenen Fensterhöhlen der Flure im noch ruinenhaft wirkenden zweiten Jamhuriatschulgebäude. Der hagere Hannsgeorg Preuß steht völlig verstaubt mit klammen Händen im schlackernden Overall auf der Leiter, um in die gerade fertig gewordenen Schlitze die Kabel für die E-Installation zu legen. Die Klassenzimmer sind durch von ISAF gespendet Kanonenöfen notdürftig über 0 Grad gebracht. Hier sind die Maler bereits am Werk. Ständig werden die Afghanischen Handwerker von dem sich ehrenamtlich aufopfernden FAOK-Mitglied auf Trab gehalten. Hannsgeorg Preuß setzt seine Gesundheit aufs Spiel, damit das Gebäude zu Schuljahrsbeginn am 23. März für 20.000 $ fertig wird (das Hauptgebäude hatte 2003 ca. das 25-fache gekostet), obwohl der Baubeginn durch verschiedene afghanische Behörden um drei Wochen hinausgezögert worden war.

Tauwetter, Schneefall, Tauwetter! Der Asphalt wird zerfressen, zerfällt. Schlammbecken reihen sich aneinander. Zu Fuß zwängt man sich an den Hauswänden entlang, watet immer wieder durch mehr als knöcheltiefen Schlamm. Es gibt keinen Schutz vor den Dreck spritzenden Autos.

Warum waren wir nur schon am 27. Januar nach Kabul gekommen?!

Für das geplante Jamhuriatschulprojekt muss schnellstens eine Schulküche entstehen.

Ich habe Glück. Präsident der Schulbaubehörde, Barez, langjähriger neuseeländischer Bürger, ist vorübergehend in sein afghanisches Vaterland als Experte zurückgekehrt. Er genehmigt meinen laienhaft gezeichneten Plan in wenigen Tagen - ohne Bakschisch.

Der Boden ist noch gefroren als die Arbeiter beginnen, die Abwassergrube auszuheben. Der Graben für das Fundament wächst im gerade frostfreien Boden schnell in die Tiefe.

Rechtzeitig vor dem Einsetzen der Frühjahrsregen ist große Baumpflanzaktion unter der Aufsicht von Detlef. Zuvor hatten die deutschen Pioniere von ISAF einen ganzen Tag lang Trockenständer umgesägt und dann mit Baumpatenschaften den Ankauf von einem Großteil der über 100 Bäume aus dem Garten "der Brüder" ermöglicht. Wer wässert sie jetzt? Immer noch fehlt ein Schulgärtner .

Herr Preuß "kämpft" an allen Fronten gleichzeitig: Materialkauf, Bauplanung im Detail, Bauaufsicht. Oft genug gibt es Ärger mit den immer wieder schlampig arbeitenden Afghanen. Im Hauptgebäude haust er in einem winzigen Raum unter der Treppe, arbeitet stets bis weit in die Nacht hinein, gönnt sich keinen freien Tag. Das zweite Gebäude kann zu Schuljahrsbeginn bezogen werden - nicht von uns. Die Bibi Aisha-e Sediqa beansprucht weiterhin die Räume für ihre Mädchen mit einer Vehemenz, gegen die Präsident Rassed, zuständig für berufliche Schulen, nicht ankommt.

Das Lycee Jamhuriat, sein neues Profil (zwei europäische Fremdsprachen, intensiver Computerunterricht, Möglichkeit der Fächerwahl in der Oberstufe zwischen Ausbildung zur Fachkraft in Wirtschaft, Verwaltung oder Büromangement) das Angebot für die Kabuler Mädchen ist in der Öffentlichkeit kaum bekannt. Fernsehen, Radio und Zeitung werden mobilisiert.

Meine die Nächte raubenden Ängste, - "Wie organisiere ich die Schulbusse, wie kann man ohne fertiges Küchengebäude kochen?" - sind umsonst. In Afghanistan laufen die Uhren anders, langsamer.

Alles kostet unendlich viel Zeit und Kraft. Aber es gelingt: Die von mir im Dezember 2004 propagierte Ganztagsschule wird Wirklichkeit

1. Am 3. April chauffieren wild aussehende Busfahrer die fünf klapprigen "Coaster"(25-sitzige Daimler Benz Ur-ur-alt-Busse) zum ersten Mal in die verschiedenen, weit entfernten Wohngebiete an den Stadträndern. Seither belaste ich das Spendenkonto des FAOK wöchentlich mit 430€.

2. Einen Tag zuvor hatte die Essensausgabe für ca. 300 Schülerinnen begonnen. Gekocht wird an der inzwischen rußgeschwärzten Schulmauer in riesigen Töpfen auf offenem Holzfeuer. Ein Topf fasst 35 kg Reis. Erst gestern (19. Mai) habe ich wieder 10 Sack Reis = 500 kg im Mandaibasar gekauft, denn Reis ist die tägliche Grundlage. Jeden Tag werden 8 Liter Öl verbraucht. Morgen kaufe ich 15 Kg Fleisch, übermorgen 45 kg Spinat, 7 kg Lauch und anders landesübliches Grünzeug. An anderen Tagen wechseln Trockenbohnen, Auberginen, Trockenerbsen auch mal Kartoffen (als Gemüse) miteinander ab. Immer gibt es Fladenbrot dazu. 375 € betragen die wöchentlichen Ausgaben für den FAOK hierfür.

Der tägliche Kampf: Nur Schülerinnen mit der weinroten das Projekt ausweisenden Karte bekommen ihr Essen. Die anderen gehen leer aus. Aufsichtführende afghanische Lehrerinnen zeigen sich oft gönnerhaft gegenüber ihren Mitkolleginnen - auf Kosten des FAOK. Immer wieder schneidet es mir ins Herz, wenn die hungrigen Kindergartenkinder ihre Näschen sehnsüchtig an den Fensterscheiben platt drücken und die Kindergärtnerinnen auf einen gefüllten Teller hoffen.

3. Nicht so eilig haben es die Schülerinnen mit den nachmittäglichen Hausaufgaben zu beginnen. Ist es ein Wunder nach dem langen Schulvormittag mit nur einer 15-Minuten-Pause und der kurzen Zeit fürs Mittagessen? Mögen die Viertklässler-Buben auch manchmal durchs Schulhaus toben. Obwohl die afghanischen Kolleginnen noch vielfach Abschreibenlassen oder Wiederholung des Durchgenommenen im Heft aufgeben, trägt der zentrale Kern des Projekts Früchte. Viele Schülerinnen sind sehr dankbar. Die Leistungen bessern sich. Das Interesse wächst. Ein Zusammenhalt in der Klasse, in der Schule wird geschaffen. Die besseren Schülerinnen kümmern sich um schwächere, um die Neuankömmlinge. Für den Computerraum hat eine afghanische Kollegin einen festen Schülerinnenaufsichtsplan geschaffen. Besonders engagieren sich die jungen afghanischen Kolleginnen.

Im schlimmsten Schneematsch hatten wir Anfang Februar einen "Falancoach" (= Rakete = Toyota Hiace Super Custom 4x4) als Ersatz für unseren treuen alten Peugeot J5 gekauft.

Mit diesem tätige ich meine Gemüse- Fleisch- Einkäufe meist morgens vor 7 Uhr, um den Koch und seine beiden Helfer nicht zu sehr zu "foida kardan"(Zusatzverdienst) zu verführen. - ¼ vor 8 treffe ich dann gerade rechtzeitig zur "File" ein. Klassenweise stehen die Schülerinnen - in der Unterstufe auch Schüler - geordnet auf dem Basketballplatz. Der Morgen beginnt mit einer Koransure und meist der afgh. Nationalhymne. Dann gibt es "Deutschunterricht". Begrüßung - Heute ist…-tag… - und ein deutsches Lied. 600 Schülerinnen sind begeistert und gehen nur zögernd in ihre Klassenräume.

Die meisten Neuanmeldungen geschehen erst nach Schuljahrsbeginn. Immer wieder setze ich Phototermine an, denn jede Schülerin, die an dem Förderungsprogramm teilnimmt, bekommt eine ID-Karte in der Schulfarbe mit eigenem Bild. Der Stundenplan bleibt wochenlang unfertig, weil immer wieder Klassen geteilt werden müssen. Neue erste Klassen hatte uns die Abteilung für Berufsschulen aus Raummangel gestrichen. Nun wenden sich die kleinen Mädchen aus den nahen Wohngebieten gezwungenermaßen in die unsere Räume blockierende Bibi Aisha-e Sediqa- Moscheeschule.

Mein täglicher Arbeitsplan ist randvoll. Den Deutschkolleginnen soll ich bei ihren Stundenvorbereitungen helfen. Wann habe ich Zeit dazu? Die Direktorin ist böse, weil ich mich nie zu einer Tasse Tee einfinde. "Chonum Moya, (Frau Meyer-Oehme) wir haben keine Stühle. "Chonum Moya, meine Heft ist voll", "Die Tafel ist noch nicht gemalt. "Im Computerraum wird ein Kabel heiss"."Können Sie dies kopieren?" "Kaufen Sie wieder Papier für die Prüfungen?" Dieser Schlüssel und jener wird gebraucht. Meist in den ungünstigsten Augenblicken die fordernde Melodie des Handys. Vom FAOK angeschaffte Physik-, Mathematik und Chemie-Bücher aus dem Iran sollen ausgeteilt werden. " Der Reis war zu fett, das Fleisch zu zäh". "Der Bus holt mich nicht rechtzeitig ab."- Immer wieder Baubesprechungen und Bauentscheidungen. - Geldauszahlungen, Überwachung der Finanzen. Eigentlich wäre das weitaus genug für den Seniorenjob einer Fünfundsiebzigjährigen.

Nach Schuljahrsbeginn wird eine 55-jährige afghanische Deutschkollegin in den Ruhestand geschickt, eine Deutschklasse wird geteilt. Niemand ist da. Das bedeutet zusätzlich 18 Wochenstunden Deutschunterricht. Aus ist der Traum von weniger Arbeit. - Meist macht das Unterrichten große Freude. Die Schülerinnen sind viel motivierter als in den vergangenen Jahren. Die Neulinge reissen die "Alteingesessenen" mit. Hausaufgaben sind kein Problem mehr.

Am 9. April feierten wir das Richtfest des Küchengebäudes. Nun fehlt nur noch der riesige eiserne Herd mit den vier Feuerstellen. Werden noch viele Unkosten auf den Förderverein zukommen? Ursprünglich erklärte er sich lediglich dazu bereit, die gesamten Kosten für das Bauvorhaben vorzuschießen. Ein anderer Geldgeber würde sie dann zurückerstatten. Ob daraus etwas wird? Es fließen zwar weiterhin Millionenbeträge an € aus deutschen staatlichen Geldern nach Afghanistan. Frauenförderung, Mädchenschulen, "Gender" spielen eine große Rolle. Nur, für die Förderung des einzigen berufsbildenden Mädchengymnasiums seiner Art, für das Pilotschulprojekt Lycee Jamhuriat "sind keine Mittel vorhanden". Wird Geldmangel zu einer Würgeschlinge für das so verheissungsvolle Projekt werden?

Ich muss weiterhin um Hilfe bitten. Im Januar hatte ich mich an weit über ein Dutzend deutsche Gymnasien gewandt und darum gebeten, das Projekt "Buspatenschaften" zu unterstützen. - Deutsche Schüler und Schülerinnen helfen afghanischen Schülerinnen! Nur so können diese von den oft weit entfernten Vororten sicher und pünktlich in die Schule gelangen! Bisher warten wir am Hindukusch vergeblich.

Noch wird der Müll jeder Art auf dem Schulgelände verscharrt oder verbrannt. Dioxin! Grundwasserverseuchung! Wen kümmert das? Ein Müllcontainer, von der Straße aus zu entleeren, ist die notwendige Lösung für die Zukunft. Das große stabile Eisentor zum Busabfahrtsgelände war auch nicht im Budget. Es ist kein Geld vorhanden, um Brunnenanlage, Schüler-WCs oder auch alte Schulmöbel zu reparieren. Es fehlt an stabilen Schülerstühlen. In vielen Klassen zwängt man sich zu dritt auf zwei Sitzflächen. (Die Amani-Oberrealschule und das Aysha-e Durani-Gymnasium sind mit herrlichstem Mobiliar aus Deutschland aus gestattet worden.). Ausser drei Bällen existieren keinerlei Sportgeräte. Die Schülerinnen spielen begeistert Sport, allerdings in ihren langen schwarzen Flattergewändern, vor allem in gefährlichen Alltagsschuhen. Turnschule??? Sportkleidung??? Wenn ich Geld hätte, würde ich gerne wetterfeste Tischtennisplatten installieren lassen.

Wie sieht meine eigene Zukunft aus? Körperlich noch gut belastbar, bin ich es psychisch durchaus nicht in gleichem Maße. Der Tinnitus wird zunehmend ein immer größeres Handicap im Umgang mit meinen Mitmenschen. Ich brauche Nachfolgerinnen. Sollte die Aufbauarbeit der letzten drei Jahre umsonst gewesen sein?

Wie oft habe ich mich auf den unterschiedlichsten Wegen an die verschiedensten Institutionen in Deutschland um personelle Unterstützung gewandt! Immer vergeblich! Das letzte Schreiben an das Auswärtige Amt in Berlin füge ich in Auszügen bei. - Sollte mir die Jamhuriat-Schule zu einer unlösbaren Schlinge werden?

Ruthild Meyer-Oehme

An das Auswärtige Amt

Ruthild Meyer-Oehme
Ehrenamtliche Beraterin
Lycee Jamhuriat

Kabul Afghanistan den 16.05.2005

An das Auswärtige Amt
Referat 605
Berlin

über das Kulturreferat
Deutsche Botschaft Kabul

Betr.: personelle Unterstützung des Lycee Jamhuriat durch eine Bundesprogrammlehrkraft oder eine Ortskraft


Sehr geehrte Damen und Herren,

seit dem gemeinsamen Besuch der Delegation des Auswärtigen Amtes (Herr VLR Michel) und der Zentralstelle in Köln (Asienreferent Kohorst) im März 2002 hat sich am Lycee Jamhuriat sukzessive ein großer Wandel vollzogen.

Aus Mitteln des AA konnte das Hauptgebäude 2003 saniert werden. Der Schulkindergarten wurde 2004 wieder hergerichtet. Herrn Hannsgeorg Preuß gelang es in den Wintermonaten 2004/05 das Nebengebäude mit einem äusserst geringen Budget zu renovieren. Inzwischen geht der vom privaten Förderverein Amani-Oberrealschule / Kabul (FAOK) e.V. finanzierte Bau einer Schulküche samt Dienerwohnung seiner Vollendung entgegen.

Aus dem ehemaligen "Gymnasium" für Hauswirtschaft, Nähen und Sekretärinnenausbildung ist eine dem deutschen Wirtschaftsgymnasium angenäherte Ausbildungsstätte entstanden.

Wichtigste Neuerungen sind:

" Zwei verbindliche Fremdsprachen (Deutsch ab Kl. 4 und Englisch ab. Kl. 9) für alle Schülerinnen

" Unterricht am Computer ab Klasse 8

" Wahlmöglichkeit ab Klasse 10 zwischen Ausbildung zur Fachkraft für Wirtschaft, Verwaltung oder zur Büroleiterin.

Aus Raummangel wurde im Schuljahr 2005 allerdings auf die Klassenstufe 1 verzichtet. In diesem Jahr beträgt die Zahl der Schülerinnen (in den Unterklassen auch Schüler) mehr als 600.

Der Einzugsbereich dieses Fachgymnasiums reicht weit über die nahen Stadtteile hinaus. Öffentliche Verkehrsmittel sind unzuverlässig und vielfach überfordert, So ermöglichen 5 Schulbusse - vorerst vom FAOK finanziert - Schülerinnen aus weit entfernten Vororten den Besuch des Lycee Jamhuriat.

Besonders den Mädchen aus ärmeren Bevölkerungsschichten ist es unter den beengten häuslichen Verhältnissen nicht möglich, ihre Hausaufgaben zu Hause zu erledigen. Hausaufgabenbetreuung am frühen Nachmittag in den Klassenräumen des Lycee Jamhuriat ist mir ein zentrales Anliegen und soll wesentlich zur Verbesserung des Leistungsniveaus beitragen.

Seit Beginn des Schuljahrs 2005 wird diesen Schülerinnen ein für sie kostenloses, vom FAOK finanziertes landesübliches Mittagessen geboten. Dies wird z. Zt. noch unter freiem Himmel zubereitet.

Dank der Unterstützung des Goethe-Instituts ist die Versorgung mit Deutsch-Lehrbüchern gesichert. Für den Englisch-Unterricht bildet ein monolinguales Lehrwerk von Oxford University Press die Grundlage. Ebenfalls vom FAOK gesponserte Lehrbücher aus dem Iran ermöglichen modernen Unterricht in Mathematik und Naturwissenschaften. Für die berufsbildenden Fächer der Oberstufe hat ein afghanischer Kollege im vergangenen Winter unter Heranziehung deutscher und iranischer Fachliteratur ein schuleigenes Skriptum geschaffen.

Die naturwissenschaftlichen Labors sind dank deutscher Spenden im Aufbau begriffen.

Leider sind der Qualität des Unterrichts Grenzen gesetzt. Obwohl von Seiten des afghanischen Erziehungsministeriums Einiges zur Aus- und Weiterbildung besonders der jüngeren afghanischen Kolleginnen unternommen wird, sind ihre Qualifikationen meist immer noch völlig unzureichend. Familiäre Belastungen tun ihr Übriges. Das Goethe-Institut fördert die Deutschkolleginnen. Dies reicht jedoch nicht aus. Zudem wurde nach Schuljahrsbeginn eine afghanische Kollegin pensioniert. Ersatz steht nicht zur Verfügung. Also habe ich zu meiner ehrenamtlichen überaus umfangreichen Beratertätigkeit zusätzlich noch 18 Wochenstunden Deutschunterricht übernommen. Ich bin jetzt 75 Jahre alt und brauche dringend mindestens eine Nachfolgerin.

Ich weiss, dass das Wirtschaftsgymnasium Jamhuriat vom Auswärtigen Amt bisher nicht gefördert wird. Das BMZ stellt ebenfalls keinerlei Mittel zur Verfügung, obwohl gerade die Förderung afghanischer Mädchen und Frauen im Zusammenhang mit "gender" in Deutschland immer wieder auf die Fahnen geschrieben wird.

Sollte die intensive Arbeit meiner vergangenen Lebensjahre für die Gestaltung und den Unterricht am Lycee Jamhuriat umsonst gewesen sein? Diese Schule braucht keine jahrelange Unterstützung. Sie benötigt für ca. zwei Jahre deutsche Hilfe.

Aus Gründen der Unterrichtskontinuität erscheint mir eine vom SES vermittelte Lehrkraft wenig geeignet.

Ich bitte um Stellungnahme zu folgenden Punkten:

" Wie steht es mit der Vermittlung von Bundesprogrammlehrkräften?
" Könnte sich das Auswärtige Amt bereit erklären, eine Ortskraft zu finanzieren?
" Gibt es eine finanzielle Unterstützungsmöglichkeit für aus Deutschland heimkehrwillige Afghaninnen?

Auf die Hilfe des Auswärtigen Amtes, die eine weitere Verbesserung der deutsch-afghanischen Beziehungen im Bewusstsein der afghanischen Bevölkerung verankern wird, hofft

mit freundlichen Grüßen

Ruthild Meyer-Oehme


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