EC FAOK
Action: EDUCATING AFGHAN WOMEN FOR MANAGEMENT
Tel: 070208651, 079-8039729
E-Mail: meyeroehme@aol.com
Ruthild Meyer-Oehme,
Projektleiterin für EAWM,
ehrenamtliche Beraterin am Lycee Jamhuriat
Kabul / Afghanistan den 14. Juli 2006
Not Done Not Done - Done Under Process
Liebe Freunde Afghanistans,
Es ist Wirklichkeit geworden: Am 21.12.2005 wird der Vertrag für AF/ASIA INVESTS/2005/113746 unterzeichnet.
Die lange Zeit des Bangens, der Unsicherheit ist damit endgültig besiegelt. Aber: Was für einen Vertrag signieren der Repräsentant der EC Delegation in Kabul und Detlef als 1. Vorsitzender des FAOK?
Im Anhang zum Projekt gibt es eine Zusammenfassung:
Working Package 1: Networking Communication
· WP1 Activity A1: Creating the networking of Partner institutions
· WP1 Activity A2: Co-ordination with the Afghan authorities (Ministry of Education)
· WP1 Activity A3: Defining an alumni association with their web site
· WP1 Activity A4: Getting & Organizing traineeships in Afghan enterprises
Working Package 2: Designing the lectures Training the Trainers
· WP2 Activity A1: Choice of students and professors
· WP2 Activity A2: Designing the lectures including supervision by the joint committee
· WP2 Activity A3: Training the teachers on how to teach management
· WP2 Activity A4: Training the teachers on the subjects defined by WP2-A2
Working Package 3: Implementation & Sustainability
· WP3 Activity A1: Implementing lectures
· WP3 Activity A2: Creating relevant tools to assess feedback from students and committee
· WP3 Activity A3: Implementing an alumni association with their web site
· WP3 Activity A4: Implementing & financing traineeships in Afghan enterprises
Der Vertrag ist nur für die beiden Abschlussklassen für 18 Monate vorgesehen. Vertragsbeginn im Dezember2005 bedeutet, dass das Projekt mitten im Schuljahr 2007 auslaufen würde. Dies muss geändert werden. Bei gleicher finanzieller Förderung muss die Aktivität in den drei Oberklassen für zwei volle Jahre garantiert sein. Fast nichts ist über die gesamten Schulaktivitäten der Unter- und Mittelstufe geschrieben, in denen letztendlich die Basis zum Unterricht in der dreiklassigen Oberstufe geschaffen wird.
Die für die Mädchen aus den Vororten so wichtigen Busse, das Mittagessen, die Hausaufgabenbetreuung werden nur am Rande erwähnt, finden im Budget kaum Platz. Die zur Verfügung gestellte Riesensumme schmilzt durch Verwaltungskosten, durch Gelder die in Kanäle für „relationships“ und Ähnliches fließen.

Schülertanz am Lehrertag
Das inzwischen sehr blühende Jamhuriat Gymnasium in dieses Korsett zu zwängen, allen Anforderungen der Europäischen Commission gerecht zu werden, ist nicht ganz einfach und kommt der Quadratur des Kreises gleich.
Nie allerdings hätte die EC Geld nur für „humanitäre Hilfe“ in Form von Essen und Bussen gegeben. Professor A. de B. war klug, die Förderung des Lycee Jamhuriat in den Rahmen der Entwicklung der afghanischen Wirtschaft und Verwaltung zu stellen. Management ist dafür ein wichtiges Schlüsselwort.
Der Anteil des FAOK wird mit einem zusätzlichen Viertel der Gesamtkosten eingeplant. Bereits gewaltig reduziert sind dies 64000 €. Ob ich den Betrag bei sparsamstem Wirtschaften auf die Hälfte verkleinern kann? Jedenfalls: Ohne Ihre finanzielle Hilfe, liebe Freunde, ist das Projekt nicht durchführbar. Bitte tragen Sie durch Ihr Interesse, Ihren Einsatz, Ihr Opfer zum dauerhaften Gelingen bei.
Am 10.4. sendet der französische Professor als Vater und Koordinator des Projekts „Educating Afghan Women for Management“ einen ersten Rechenschaftsbericht nach Brüssel. Damals hatte die Schule gerade etwas mehr als 2 Wochen begonnen. Sie mögen sich selbst überlegen, welche Benotung (done, not done…) er für die Aktivitäten der einzelnen Working Packages gibt.
Diese Working Packages türmen sich vor mir wie ein unüberwindlicher Berg auf. Wie soll ich ihn bewältigen? Eine blitzartige Eingebung - ich brauche eine Mitstreiterin - wird schnell zur Wirklichkeit.. Ob Qamar Karzai, die blutjunge Direktorin des Lycee Jamhuriat der siebziger Jahre bereit ist? Sie sagt zu. Seit vier Monaten kämpfen wir zu dritt.
Der Kampf gegen Windmühlen
- WP1 A 1: Der Präsident des FAOK ist ein eindrucksvoller Vertreter um dass Netzwerk mit den „Partnern“ aufzubauen. Zwar gibt es den ehemaligen Präsidenten der für de Benoist so wichtigen Afghanistan International Chamber of Commerce ,AICC,nicht mehr. Die Gedanken des Nachfolgers, Herrn Prof. Farouqi weilen nicht in Afghanistan. Er ist interessiert an möglichst vielen Niederlassungen im Ausland. Mit diesem Partner kann das Lycee Jamhuriat keine Zusammenarbeit erwarten.
Die mit Hilfe der GTZ gegründete Afghanistan Investment Support Agency, AISA, ist da schon anders. Präsident Zakhilwal , sagt seine Unterstützung und die Zusammenarbeit nicht nur sofort zu, sondern setzt sie auch in die Tat um.
- WP1 A 2: Schwierig gestaltet sich die Zusammenarbeit mit dem Erziehungsministerium. Monatelang ist der gesamte Verwaltungsapparat gelähmt. Der scheidende Minister fühlt sich nicht mehr zuständig (sagt zu Qamar Karzai, grossartig dass sie da sei, sie könne arbeiten so lange und so viel sie wolle - aber der in Afghanistan so wichtige Vertrag bleibt aus). Der neue Erziehungsminister ist zunächst nicht bekannt, dann lange Zeit noch nicht vereidigt.
Den Präsidenten für Berufsschulen, treffe ich mal beim Aktenzerreissen an, ehe er seinen Stuhl für einen Nachfolger frei macht. Einige Tage darnach kehrt der Mann zurück.
Wir sitzen am Verhandlungstisch mit den jeweiligen Vizeministern. Detlef ist der unermüdliche Mahner und Forderer. Die Fülle der Schreiben, von Qamar meist vor Tau und Tag übersetzt, ist groß. Entscheidungslosigkeit in der obersten Führung bedeutet Untätigkeit der Untergebenen.
750 Schülerinnen sind nicht viel für afghanische Verhältnisse. Dennoch das Schulhaus des Lycee Jamhuriat ist zu klein. Gleich im Eingangsbereich, wo es immer so laut zugeht, quetschen sich die Mädchen einer Klasse in ihre Bänke, dann in noch zwei weiteren Ecken auf dem Gang, in der großen, wegen Einsturzgefahr bei Erdbeben eigentlich gesperrten Schrotthalle, gleich daneben in deren Vorraum, sozusagen unter freiem Himmel.
Das zweite Gebäude fehlt uns. Dort werden die Mädchen der Moscheeschule Bibi Aisha-e Sediqa unter noch beengteren Verhältnissen unterrichtet. Das Erziehungsministerium sagt Abhilfe fest zu.
Um ein Ruinenschulgrundstück wieder herzurichten braucht man Geld. Der deutsche Botschafter will unterstützen. Aber das Auswärtige Amt ist gegen jede Förderung irgendeiner Moscheeschule. Die deutsche Öffentlichkeit!!!
Nach Schulschluss am Spätnachmittag und Abend tummeln sich auf dem Gelände der Jamhuriatschule männliche Schüler eines Abendgymnasiums. Detlef fordert: „Die Abendschule muss raus!“ „Kein Problem! Es gibt in Kabul Schulen genug!“ Briefe auf Briefe werden geschrieben, Interventionen auf Interventionen eingeleitet, Minister, Staatsekretäre aufgesucht. Bisher ohne Erfolg. Fehlt da nur das gewisse „Etwas“, (Reshwad wird es hier genannt)?
- WP2 A4: Reshwad führt nach drei Monaten endlich zum Ziel. Nicht ich bin die Geberin sondern der Direktor des Oxford Institutes for Modern Languages. Training the trainers soll mit Hilfe einer sehr guten Englischlehrerin des Oxford Instituts während der Unterrichtszeit im Beisein unserer Fachlehrerinnen stattfinden. Der Minister persönlich erteilt dazu die Erlaubnis und immer noch zögert ein Untergebener den Abschluss des Protokolls heraus. seit drei Monaten sind die Schülerinnen ohne guten Unterricht.

LJ Geldgeschenk am Lehrertag
Wie lange wird es dauern, bis „Training the trainers“ für die Computerlehrerinnen stattfindet?
Die neuen Computer, sie sind da! 50 Stück waren mir im Winter von einer großen Versicherung in Deutschland gespendet worden. Herr Brigadegeneral Spindler macht den Transport durch die Bundeswehr möglich. Die gekauften Flachbildschirme werden dankenswerterweise mitbefördert. In zwei randvollen Fuhren karren Detlef und ich die kostbaren Schätze dann im April vom ISAF-Lager über die schreckliche Holperpiste in die Schule.
In letzter Minute gibt die Bibi Aisha-e Sediqa einen großen bereits für diese Computer vorbereitet gewesenen Klassenraum frei. SIEMENS Afghanistan ermöglich die Installation und die gesamte Vernetzung. 30 Schülerinnen sitzen jetzt dort hinter den Bildschirmen. Aber unsere Lehrerinnen sind unfähig (Computer kaputt!!!), nehmen nicht wahr, dass einige Schülerinnen nicht einmal das Password eingeben können.
Der Anforderungsbrief wegen eines Computerexperten war bereits zum Erziehungsministerium unterwegs. Er wurde vom Präsidenten für Berufsschulen ins Lycee Jamhuriat zurückgeschickt. Ich solle ihn selber hinbringen. Gestern war ich im Erziehungsministerium. Der entsprechende Herr meinte, er würde mich so gerne sehen. Ich würde wie zu seiner Familie gehören. Ob das dem Brief weiterhilft?
- WP2-A3: Wird es mit dem Erziehungsministerium Schwierigkeiten geben, wenn eine vom Senior Expert Service (SES) vermittelte Fachkraft für die Gestaltung des Management Curriculums aus Deutschland kommt?
Schwierigkeiten für Experten aus dem Ausland drohen zweifellos von ganz anderer Seite:
Maazaira: Ein hoher Polizeioffizier steht auf dem Schulhof. „Bitte lassen Sie Ihre Schülerinnen nicht auf die Straße. Im Norden der Stadt hat es Unruhen im Zusammenhang mit amerikanischen Fahrzeugen gegeben. Aber es kommt alles wieder in Ordnung“. Es kommt nicht so schnell in Ordnung. Der Salang Watt vor unseren Mauern ist nur kurze Zeit öde und verlassen, dann ziehen die Maazaira, die Demonstrantenhorden vorbei, trommeln ans Tor, schwarze Rauchwolken steigen zu beiden Seiten unserer Schule auf. Schüsse peitschen immer wieder durch die Luft, vom Innenministerium her hört man Geknatter. Die Schülerinnen dürfen die straßennahen Räume nicht betreten. In die hofnahen Klassenzimmer gehen sie nicht. Verzweifelt, weinend, immer wieder nach Handys fragend, um mit ihren Familien in Verbindung treten zu können vergeblich - bewegen sie sich in langsamem Zug durch die Gänge und Treppenhäuser. Die Direktorin mahnt über Megaphon zur Ruhe. Kann man die Mädchen in den Hof lassen? Es könnten Schützen auf den Mauern auftauchen. Schließlich wagen sich einige an den Hauswänden entlang zu den Essräumen. Ein Schlag Reis mit Kartoffeln helfen. Langsam weicht die Anspannung. Nach vier Stunden verlassen die ersten Busse das Schulgelände. Alle Kinder kommen gesund nach Hause.
Zunächst gibt man sich gelassen, als es heisst: „Bombenanschlag beim Justizministerium“. Dort war ich tags zuvor genau zur gleichen Zeit gewesen. - Am nächsten Morgen gleich drei Explosionen in verschiedenen Stadtteilen. Ein Fahrer ist erschüttert. Es war vor Prüfungsbeginn schulfrei, sonst wäre er mit seinem Schulbus unweigerlich in ein Unglück hineingeraten.
Alle Mädchen erscheinen zu den Prüfungen. Ist es ein Wunder, wenn sie gleich darnach nach Hause streben, auf Mittagessen und weitere Vorbereitung in der Schule verzichten?
Nicht nur die NGOs montieren Schilder vor ihren Büros ab. Der Sternenkranz im Blau fehlt auch bei der Europäischen Commission. Die für das Lycee Jamhuriat geplanten beiden Eingangstafeln werden nicht in Auftrag gegeben. - Das Auswärtige Amt in Berlin rät von Reisen nach Afghanistan ab.
- WP2 A2: An drei Nachmittagen nimmt Qamar an einem Seminar von AWN (Afghan Women Network) über Management für erfahrene Bürokräfte teil. Ich kämpfe an drei weiteren Nachmittagen im Seminar über Accounting gegen den Schlaf an. Bis Ende September wollten wir durch diese Schulung in der Lage sein, den Unterricht am Lycee Jamhuriat mit gestalten zu können.
Glücklicherweise müssen wir mit dem Aufbau des Berufsschulunterrichts nicht bei Null anfangen. In den sechziger und siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts hatten deutsche Experten in Kabul bereits junge Menschen für die Arbeit in Wirtschaft und Verwaltung ausgebildet. Die damals geschaffenen Lehrpläne und Scripten sind immer noch Leitfaden für unsere Kollegen und Kolleginnen, werden allerdings jetzt in Einbeziehung iranischer Fachbücher auf den neusten Stand gebracht.
Vor wenigen Tagen erhielt der Erziehungsminister meine Aufzeichnungen zum Thema Management. Zusammen mit Planungsdirektor Matin straffe ich die Stundentafel, in der das Fach Management nun einen festen Platz einnimmt. Er berichtet von einem Gremium für Curricula. Es ist hervorragend, wenn Hilfe von Aussen durch Eigeninitiative ersetzt wird.
Das gemäß WP2 A2 für die Beaufsichtigung erforderliche„joint committee“ sind zunächst einmal wir Drei. Abend für Abend heisst Detlefs Mahnung „activity report“, der zu später Stunde dann noch zu Protokoll gegeben wird. Unermüdlich mahnt der Präsident uns zwei Frauen, die Richtschnur der „working packages“ nicht aus den Augen zu verlieren. (Dies ist nur allzu oft der Fall. Doch davon später.)
- WP2 A1: Am 25. Februar war das erste Wiedersehen mit der Schule in diesem Jahr gewesen Damals: Empfang durch die Vizedirektorin: “Der Stundenplan ist fertig!“ Die Direktorin: „ Wir brauchen keine weitere Deutschlehrerin. Sie unterrichten doch auch wieder.“ Auf meine Frage, wer den Computerunterricht in Kl 8 auf Deutsch geben würde, erhalte ich keine Antwort. Alle Abmachungen im vergangenen Herbst waren umsonst gewesen.
Sie kommen doch, die neuen Lehrerinnen, die beiden Absolventinnen des deutschen Seminars der Uni Kabul, mit ihrem Arbeitseifer eine tägliche Freude für mich! - Erst allmählich erfahre ich, dass der Stundenplan ihr da Sein nicht berücksichtigt.
Zusammen mit Qamar folgt wochenlange Arbeit an dem großen Papier in jeder freien Minute zu Hause, Übersetzung der Fächer ins Deutsche am Ende wieder zurück ins Dari. (Der Computerunterricht in den 8. Klassen wird immer noch nur auf Dari erteilt). Dann braucht das Ministerium mehr als 14 Tage, um seine Erlaubnis für die Änderungen im Stundenplan zu geben.
- WP3 A1: Ohne es mit Namen zu nennen, ist in allen berufsbildenden Fächern das Tandemprinzip eingeführt worden, Die erfahrenen alten Kollegen schulen die jungen neuen in gemeinsamem Unterricht in den Klassen.
- WP1 A4: Hitze, Stau, Abgase! Wir wollen doch noch vor 12 Uhr bei ARIANA sein! Die Teller mit den Reisbergen werden bereits zu den Angestellten bugsiert. Sie müssen warten. Qamars und mein Anliegen: Praktikantinnenstellen für Schülerinnen des Lycee Jamhuriat, hat Vorrang. Nach drei Vormittagen haben alle 54 Schülerinnen ihren Platz bei Firmen und Ministerien der Stadt Kabul versprochen bekommen.
- WP3 A4: Der Elternrundbrief wird bereits am folgenden Tag unterschrieben zurückgebracht. Fast alle Eltern machen mit! So muss das Erziehungsministerium, das übrigens unser Projektpartner ist - seine Vorbehalte zurückstellen und zustimmen. Es wäre ungeahnt, wenn die Aktion Schülerin im Praktikum „so einfach“ gelingen würde. Noch bange ich und flehe: “Bism’iIlah e rahman-e rahim.“ „Bitte, keine Bomben, o Herr!“ Übermorgen bringe ich die Mädchen an ihre zukünftige Arbeitsstelle. Sie freuen sich auf den Ferienjob, der am Samstag, dem 22. Juli beginnt.
Direktor Matin meint: „Zwei weitere Ministerien, zwei Banken wollen auch Praktikantinnen haben. Im Winter sollen die Praktika aber zwei Monate dauern. Dann sind die jetzigen Zehntklässlerinnen mit dabei.“
- WP1 A3: Wieder so eine „Hals-über-Kopf-Aktion“! Am 15. Juni beschließen wir das erste Ehemaligen-Treffen für den 28.6. Lange Einladungszeiten sind in Afghanistan unüblich. Die Direktorin Mohsena verzichtet sogar auf die Einholung einer Genehmigung vom Erziehungsministerium. Wen wird man finden in einer Stadt ohne Straßennamen, ohne Adressen? - Die ersten Gäste kommen bereits zwei Stunden früher. - Es wird ein beglückendes Wiedersehen mit der alten, so verändert neuen Schule. Ergreifende Berichte von früher, der Zeit dazwischen, Brückenschlag zu den Jungen, die so gerne noch einmal in diese Schule gehen würden.
· - „Wir kommen wieder und bringen viele andere Ehemalige mit!“ - Die Erfüllung von WP3 A3 dürfte dann kein Problem mehr sein.
Verhandlungen für die von der EC gewünschte web site sind mit einer afghanischen Firma im Gange.
- WP3 A2: Die afghanischen Lehrerinnen sind interessiert, pflichtbewusst geworden. Sie fangen an, im Unterricht Eigeninitiative zu entwickeln. Die Hausaufgabenbetreuung an den Nachmittagen zeigt sehr gut Erfolge. Für meine Kolleginnen gilt: „Ein voller Bauch unterrichtet gern.“
„Wir brauchen besseren Englisch-Unterricht!“ - „Der Computerunterricht ist miserabel“ - „Die Computer reichen noch nicht!“ „Wieder kein Strom! Wie sollen wir denn was lernen!“ „Können Sie uns bitte dieses Scriptum kopieren?“ - „Wir brauchen Arbeitsbücher!“ - „Können Sie uns bitte helfen? Wir wollen im Goethe-Institut noch mehr Deutsch lernen.“ - Gibt es ein besseres Feedback der Schülerinnen als dieses? Für afghanische Mädchen sind solche Äusserungen normalerweise völlig undenkbar. Eigene Meinungen hat es nicht zu geben.
Am Ende des kommenden Jahres wird sich hoffentlich ein Komitee finden, das unserer Aktion das Zertifikat „Done“ zugestehen wird.
Randnotizen
Unsere Tage allerdings werden nicht beherrscht von den working packages sondern vom normalen Schulleben, von den vielerlei Schwierigkeiten, von den Sorgen und Nöten der Kinder, der Lehrerinnen. Diese zu beschreiben, würde der Bericht doppelt so lang.
Liebe Freunde,
1. Der Förderverein
Sicher fragen Sie nach dessen Arbeit. Ohne ihn wären wir nicht hier. Freilich, die großen Projekte des vergangenen Jahres haben seine Gelder weitgehend erschöpft. Wir müssen sparsam umgehen mit den kläglicher fließenden Spenden.

Direktorin u. Vize am Frauentag
Am 8. März, dem Frauentag, überreichen wir allen Kolleginnen und anderen Angestellten der drei Schulen als kleine Aufmerksamkeit einen Tschador, eine großen Schal.
Am 24. Mai, dem Lehrertag, gratuliert der FAOK allen Lehrern der Amani-Oberrealschule, der Aysha-e Durani, dem Lycee Jamhuriat mit einem Geldgeschenk. Darauf wartet man schon lange. Der Erziehungsminister verschweigt in seiner Rede zum Lehrertag die miese Situation seiner Mitarbeiter nicht. Er will sie ändern. Bisher bleibt es allerdings bei dem Monatsgehalt von 30 60 $. (1kg Trauben kostet 1 $, 1 Fladenbrot 8 Afs= 16 Cent, 1 kg Kartoffeln 17 Afs = 34 Cent).

LJ Farzana Vorbereitung Lehrertagsplakat
Es gibt für die Schulen in Afghanistan (angeblich) keinen Etat. Alle Reparaturen am Lycee Jamhuriat zahlt der Förderverein. Ein vom FAOK angestellter „Hausmeister“ repariert Vieles.. Auf Scher ist Verlass. Er kümmert sich um verstopfte Kloabflüsse, repariert Tische und Bänke, bringt elektrische Leitungen in Ordnung, ersetzt zersplitterte Fensterscheiben, wechselt im Drucker die Patrone und wässert die vielen Bäume. Er kümmert sich um den Holzeinkauf für die Küche und hält die Essräume blitzsauber.
Unsere Konzentration auf das Lycee Jamhuriat ist möglich, weil Amani-Oberrealschule und Lycee Aysha-e Durani vom Auswärtigen Amt weiterhin gefördert werden (acht deutsche Lehrer, je ein afghanischer Hausmeister).
1. Das normale Schulleben
Da die Schülerzahlen zugenommen haben, verkehren jetzt 9 Busse. (Alle Angestellten
der Ministerien, der Polizei, werden inzwischen in eigenen Bussen zur Arbeitsstelle gebracht.) Die Busse ermöglichen den Schulbesuch aus den entferntesten Vororten. Bis zu den Bombenanschlägen gewährten die Busse Sicherheit, Pünktlichkeit.
Der Koch und seine Helfer kochen täglich für bis zu 400 Personen. Mehr als 7 ser Reis, das sind mehr als 50 kg, 5 6 ser Kartoffeln, 1 ser (7 kg) Tomaten, 1 große Dose Tomatenmark, 4 l Öl, 100 große Brotfladen, die dann immer geviertelt werden, stopfen die hungrigen Münder. Getrocknete Bohnen, Erbsen, Dal, einmal pro Woche frisches Gemüse (afghanische Kinder sind es leider nicht gewohnt) alle 14 Tage Fleisch, bilden den abwechslungsarmen Speiseplan. Immer noch schaffe weitgehend ich die Lebensmittel heran. Dann wird am wenigsten betrogen.

Hausaufgabenbetreuung in der Schülerbibliothek
Ein Extra-Stundenplan verpflichtet die Lehrerinnen gegen Sonderzahlung zur Hausaufgabenbetreuung am Nachmittag. Die Klassen sind voller lernwilliger Schülerinnen. Der Erfolg bleibt nicht aus.
Das alles wäre nicht möglich ohne Ihre Hilfe. Bitte, lassen Sie diese nicht versiegen!
2. Nur ein paar Schülerinnen
Sie erinnern sich an Shamail. Ihr von Brandnarben entstelltes Gesicht konnte im Winter hier operiert werden. Große Flächen Hauttransplantationen von Arm und Bein waren nötig. Das Geld bekam sie von einer Spenderin aus Kempten geschenkt, die selbst sehr schwer krank ist. Im Winter steht Shamail eine weitere Operationsrunde bevor. Gestern brachte ich sie mit einem Ballen Stoff auf meinem Fahrradgepäckträger hoch hinauf zur kleinen Lehmkate. Sie wird 50 Schutzbezüge für die Abdeckung von Flachbildschirmen und Tastaturen nähen.
Arzu musste mit ihrer Stiefmutter nach Indien übersiedeln. Dort hoff die Witwe mit den 5 Töchtern, in einem Unicef-Lager ein neues Leben beginnen zu können.
Da ist Parwana aus der 11. Klasse. In einem Ohnmachtsanfall stürzte sie die Schultreppe herunter. 9 Stunden begleitete Qamar sie von einer Untersuchung, von einem Arzt zum anderen. Der FAOK kam für die Kosten auf. Es war nichts gebrochen, aber ihr Rücken muss möglichst unbeweglich gehalten werden. In einer Schaumgussschale besucht sie leichenblass, leidend den Unterricht und nimmt auch jetzt an den Zwischenprüfungen teil.
Shaista kehrte im vergangenen Herbst nach 1 ½ jähriger Leidenszeit in Deutschland, in der sie unzählige Operationen über sich ergehen lassen musste, mit einem Friedensdorfflug nach Kabul zurück. Die engagierte Krankenschwester P.G. aus Ilsfeld am Harz konnte den Kontakt zu dem Mädchen halten. Shaista kam zu uns ans LJ. Nur Haut und Knochen, schwerfällig hinkend, den rechten Arm immer in die schmerzende Hüfte gepresst, schafft sie den Weg zur Schule nicht jeden Tag. Weit hinter dem Flugplatz lebt die 10-köpfige Familie in einem vielleicht 20qm großen Kellerverlies ohne Tageslicht, kaum Luft. Natürlich ist der knorzige Vater arbeitslos. Der Kampf mit dem Sensenmann in Deutschland wird umsonst gewesen sein, wenn die Familie aus diesem Loch nicht heraus kommt. Wer zahlt monatlich 100€ für eine bessere Wohnmöglichkeit?
3. Heimatlos
Olt X:„Geben Sie mal her! So, die Einfahrtserlaubnis brauchen Sie jetzt auch nicht mehr. Sie haben ja sowieso keine unbegleitete Zutrittserlaubnis zum Lager.“ Dies war im März der Anfang eines Trauerspiels, das bis zum heutigen Tag noch nicht beendet ist.
Fragen und Antworten im vergangenen Winter in Deutschland: „Was macht Ihr, wenn Ihr krank seid?“ „Wir fahren zur ISAF ins Camp Warehouse“ „Wer hilft Euch bei sonstigen Schwierigkeiten?“ Die Deutschen draussen.…
Seit 2002 waren wir ins Lagergeschehen mit einbezogen worden, konnten die Feldpost mit benutzen. Nicht nur dort draussen, auch hier im Lycee Jamhuriat haben die Bundeswehroffiziere und -soldaten immer wieder sehr viel geholfen. Ohne sie wäre …Und nun? - Unsere Anwesenheit ist zum Sicherheitsrisiko geworden. Für afghanische Kranke kann ich per Telefon einen Besuch im San-Bereich organisieren. Mir selbst wird er immer wieder verwehrt und erst nach langwierigen Versuchen zögernd gestattet. Früher war ich völlig frei. Später dürfen wir uns keinen Schritt ohne militärische Begleitung bewegen. Als Detlef mit sehr schmerzhaften Zahnproblemen einmal vormittags und nachmittags viele Stunden am Lagereingang warten musste, hieß es schließlich, er könne nicht behandelt werden, er bräuchte auch am kommenden Tag nicht wieder zu kommen, er dürfe überhaupt nicht wieder kommen. Er habe nämlich „Kasernenverbot“. Durch Mithilfe eines Offiziers wurde dieses Verbot dann umgangen und Detlef konnte bis zum Zahnbehandlungsflug nach Deutschland mit Antibiotika geholfen werden.
Die neuerliche Abschottung der Bundeswehr im Lager von der deutschen Zivilbevölkerung in Kabul ist nicht gut. Die Soldaten wissen gar nicht, wie man in der Stadt relativ normal lebt. Sie existieren unter einer Angstpsychose. Eng aufeinander lebend sind ihre Nerven ständig bis aufs Äusserste angespannt. Das wolle die Führung so, hieß es auf mein Befragen. Dies alles kann zu Fehlreaktionen führen, wie Amerikaner und Bevölkerung sie schmerzlich erleben mussten.
4. Tschaukidar,
wörtlich :der Stuhlinhaber, der Wächter bei Tag und Nacht. Bei den Amerikanern schräg gegenüber residiert er hinter der gewaltigen Mauer in einem hoher Wachturm, von dessen Höhe das ganze Geschen bis weit in die Ferne beobachtet werden kann. Anderswo haust der Tschaukidar in einem kleinen Verschlag vor der Tür (und flüchtet wenn Gefahr droht).
Wir haben unseren Tschaukidar aus dem Freiburger Tierheim mitgenommen. Gerade ein Jahr alt hatte sich die Malinoishündin dort am Gitter bereits einen Reißzahn durchgewetzt. Hier ist Kim Tag und Nacht im Einsatz. Niemand wagt sich in unser Grundstück. Trotz benachbartem Rohbau in nur etwas mehr als einem Meter Entfernung, leben wir in Sicherheit. Besucher sind ein Problem. Qamar ist inzwischen Kims beste Freundin geworden.
Das ist die Spielwiese unserer Kleinen. Wir lieben es antiautoritär“, meinte Detlef einmal. Schaumstofffetzen, Styroportrümmer, zernagte Plastikeimer, zerrissene Kopfkissen - den Garten in eine Schneelandschaft verwandelnd Tschaukidare sind nicht billig.
5. Die politische Lage in Afghanistan
Sie, liebe Freunde, wollen etwas über darüber erfahren, über die (Un-)Sicherheit hier und in den Provinzen. Da sind Sie durch die deutschen Medien besser informiert als wir. Tatsache ist: Die mit Funkanlage ausgestatteten weissen Karrossen der UN und anderer, auch deutscher NGOs sind fast ganz aus dem Straßenbild verschwunden. Man sieht in der Innenstadt keine Ausländer mehr. Um so auffälliger bin ich, dazu noch mit dem Fahrrad. Wo sollte ich unser Auto parken? Die Polizisten sind seit den Bombenattentaten mit einem Schraubenzieher ähnlichen Werkzeug ausgerüstet und stoßen blitzschnell bei allen Autos, die ihnen nicht passen, „Pantschar“ in die Reifen. Die Unzufriedenheit der Bevölkerung mit der Regierung nimmt zu. Amerikaner sind zum roten Tuch geworden. Die politische Unsicherheit ist ein Hindernis für Investitionen. Warten auf Bestechungsgeld lähmt jeglichen Fortschritt. Trotz reicher Niederschläge im Frühjahr hat sich die Stromversorgung gegenüber dem Vorjahr verschlechtert. Ohne Elektrizität keine Industrie. Der Opiumhandel blüht weiterhin und füllt die Taschen einer gewissen Oberschicht. Er ist zweifellos der Motor für eine Scheinwirtschaft. Die Bauwirtschaft boomt. Die Zahl der Autobesitzer wächst rapide, die Zahl der Bettler auch. Wir erleben in der Schule teilweise bitterste Armut. Sonst würden sich die Kinder nicht so zum Teller Reis mit Bohnen drängen und noch versuchen, ein Geschwisterchen mit zu sättigen.
6. Dank
Detlef ist jetzt 77. Wer sonst opfert in diesem Alter seinen wohlverdienten Ruhestand einem Unruhestand in Kabul? Dafür möchte ich ihm Dank sagen. Danken will ich auch Qamar-jon, die ihre Familie in München für den selbstlosen Einsatz in ihrem alten Heimatland allein lässt.
Dank sagen möchte ich allen, die uns hier unterstützen. Danke dass Sie uns treu bleiben und nicht ungeduldig werden, wenn sie so lange nichts aus Kabul hören.
Ruthild Meyer-Oehme
P.S.: Falls geändert: Bitte teilen Sie mir Ihre neue E-Mail-Adresse mit. Lassen Sie es mich wissen, wenn Sie keine Berichte mehr wünschen. Entschuldigen Sie bitte, wenn Sie aus Versehen mehrfach informiert werden.
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