Detlef Meyer-Oehme Kabul, Ende August 2007
FAOK-Informationen aus Afghanistan
Liebe FAOK-Mitglieder und Förderer!
Nach 8.392 Fahrt-Km kamen wir am afghanischen Neujahrstag (21. März) mit Kim unserer Belgischen Schäferhündin wieder gut in Kabul an. Seitdem hat sich hier und (im Land) so manches Besondere, Unschöne ereignet. Ich möchte auf die Medienberichte hinweisen. Generell ist es seit dem Frühjahr unsicherer und bedrohlicher geworden, vor allem für uns Ausländer. So ist es ratsam, nach Möglichkeit Normalität zu leben und sich an Erfreulichem wie Sonnenschein, dem Früchte- und Gemüseangebot, netten, gastlichen Menschen, wesentlich verbessertem Wohnen in Kalah-e Fatullah Khan, Anerkennung unseres Wirkens hier, etc. zu erfreuen. Es bleibt noch genug täglicher Ärger! Gerade kommt Ruthild nach Hause und sagt: „Nerven braucht man hier…..!!“
Zum „Lehrertag“ Ende Mai haben wir jeweils in feierlichem Rahmen allen Schulbediensteten der drei vom FAOK unterstützten Schulen ein Notizheft mit 1000 Afs (20 US$) überreicht. Im Übrigen helfen wir immer wieder besonders bedürftigen Lehrern und Schülern, zahlen ihnen einen Goethe-Sprachkurs und Lehrbuch etc.
Über die Statistik von Amani-Oberrealschule, Lycée Aysha-e Durani und Wirtschaftsgymnasium Jamhuriat informiert das im Juli aktualisierte FAOK-Merkblatt (s. unsere Web Site: www.amani-ors-kabul.com oder bei unserem stellvertr. Vorsitzenden, Herrn Gerold Müller, Tel. 0741-43406 erhältlich).
An allen drei Schulen gab es Wechsel in der Leitung. Generaldirektor der AORS wurde Herr Gholamhasrat, MA; Vizedirektor für Erziehung wurde der kurzzeitige Schulleiter Herr Shah Wali. Der Vizedirektor für Verwaltung, Herr Arab, ist geblieben. An der AyDu wurde die Direktorin Pashtun durch Frau Popal ersetzt.
Einer der deutschen Lehrer der AORS musste wegen Krankheit nach Deutschland zurück, einer fungiert als Koordinator ad interim, weil der Bausch-Nachfolger, Herr Hocke, das Afghanistan-Referat in der ZfA übernahm. Ein neuer Koordinator (für alle drei Schulen( AORS, AYDU, LJ) soll in wenigen Tagen eintreffen, ebenso wie erstmalig eine Deutschlehrerin, von der ZfA für das LJ vermittelt. Damit wird meine Frau Ruthild dort partiell ersetzt.
Mit dem Koordinator a.i. und allen deutschen Auslandslehrkräften vor Ort sowie der neuen DAAD-Repräsentantin, der Goethe-Institutsleitung dem DED-Landesdirektor haben wir beste Beziehungen.
Bemerkenswert für unsere Tätigkeit hier ist auch ein sehr positiver Personen-Wechsel im Kultur- und im Wirtschaftsreferat der Deutschen Botschaft Kabul.
Durch das Grant-Projekt der EC „Educating Afghan Women for Management“, das am 21. Juni d.J. offiziell endete, lag der Schwerpunkt der FAOK-Tätigkeit beim Lycée Jamhuriat. (Meine Frau wird in einem eigenen Schreiben darüber genauer berichten.) So war ich in der Amani-Oberrealschule weniger als in früheren Jahren präsent.
Ich konzentrierte meine pädagogische Tätigkeit bewusst auf mein Hauptfach Biologie und die Leistungsklassen 11a, 11b, 12a, 12b.
Ein krönender Abschluss war für mich die tägliche Teilnahme an einer Lehrerfortbildungsveranstaltung der Agha Khan Universität (Karachi) und der Deutschen Botschaft Kabul (resp. AA, Berlin). Vom 28. Juli (Eröffnungsveranstaltung mit Vize-Erziehungsminister Patman und Sonderbotschafter Blankenstein) bis 16. August wurden jeweils ein Gymnasiallehrer und Gymnasiallehrerin pro Fach aus Khost, Djalalabad und Taluqan in den sechs Fächern Dari, Pashtu, Mathematik, Physik, Chemie, Biologie sowie in Pädagogik fortgebildet. Das Biologie-Seminar hatte 8 statt 6 Teilnehmer, da noch 2 Lehrerinnen des LJ die Chance einer Fortbildung bekamen. Ich bemühte mich, den Fachleiter Biologie der AORS und die Fachleiterin Biologie der AyDu bei der Seminarleitung zu unterstützen. Auch in den Chemie-Workshop schmeckte ich herein. Im Mathematik-Seminar verteilte ich zum Schluss iranische Mathematik-Lehrbücher. Bei der Fortsetzungsveranstaltungen im Winter werde ich nicht mehr dabei sein. Unsere Rückreise nach Deutschland ist für den nächsten Monat geplant.
Leider wenn auch persönlich verständlich haben unlängst einzelne von den qualifiziersteten afghanischen Lehrkräften der AORS den Rücken gekehrt, so die beste Deutschlehrerin und der beste Physiklehrer - der Fachleiter Naturwissenschaften, Herr Hamed Sia. Die afghanische Schulleitung macht schwerwiegende Fehler. Es wäre verheerend, wenn auch der Fachleiter Chemie seine Absicht wahr machte…. Herr Ahmad Shah, fast schon eine Legende an der NORS / AORS will weg! Wie sagte mir dieser Tage ein afghanischer Weissbart, der seit 36 Jahren an der Schule ist?: „tamom belqul charob shud!“(Alles ist total schlecht geworden). Afghanische wie deutsche Kollegen sind sehr besorgt. Ich informierte einschlägige Stellen darüber.
Bevor ich von dem Kabuler Gymnasium, das mir besonders am Herzen liegt, scheide, möchte ich dem alten Elite-Lycée Nedjat-Oberrealschule noch ein Denkmal setzen. Die alte marmorne Eingangstafel mit der gotischen Schrift aus Bagh-e Alam Ganj (von mir aufgetan und mit Ruthilds Hilfe mühsam entgipst und gereinigt) soll in ca. 14 Tagen als Erinnerungstafel in der Amani-Oberrealschule angebracht werden.
Mit freundlichen Grüßen aus dem spätsommerlichen Kabul
Ihr / Euer Detlef Meyer-Oehme
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