Ruthild Meyer-Oehme
ehrenamtl. Beraterin am WG Jamhuriat
z.Z. Im Weingärtle 2
D-79424 Auggen
Tel. Fax: 07631-747084
meyeroehme@t-online.de
Danke! Taschakor! Danke! Taschakor! Danke! Taschakor! Danke! Taschakor
für Ihre Unterstützung im Jahr 2008
Gesichter
„Heimkehr“
Fraport: Mit dem Shuttle nach Terminal 2. Rolltreppen rauf, runter, weit nach hinten in die Halle E. Nicht zu übersehen die Wartenden mit ihren Karren voller mächtiger Ballen und Kofferberge. Wer nach Kabul fliegt, scheint immer einen halben Umzug bewerkstelligen zu müssen. Die Verwandtschaft ist groß. Es sind alles „Afghanen mit deutschem Pass“, z.B. ein GTZ-Mitarbeiter, ein Mathematiker der am Schulbuchprojekt für das Erziehungsministerium in Kabul beteiligt ist, eine junge Ärztin die in Afgh. 1/2 Jahr Kolleginnen fortbilden wird. Eine junge Frau wird nach 25 Jahren ihre Eltern wieder sehen.
Eine Stunde wandere ich vor den Hallen in der kalten Nachtluft hin und her. Dann, notgedrungen Besuch bei Mc. Donalds. Beim Gedanken an den Fraß schüttle ich mich jetzt noch. - Das ARIANA-Flugzeug ist nur zu 1/3 belegt. Ich kann ausgestreckt schlafen jedenfalls bis Istanbul. Dort stürmen nach dreistündigem Aufenthalt türkische Gastarbeiter in die Maschine.
In Kabul ist es erstaunlich warm. Über dem Häusermeer liegt eine graue Dunstglocke. Der Platz vor dem Flughafengebäude ist leer, der Parkplatz für die Autos der Hilfsorganisationen ebenfalls. Man muss weit laufen, bis man endlich nach mehreren Kontrollen an den voll gestellten Parkplatz für „normale“ Reisende gelangt und ein Taxi anheuern kann. In weitem Bogen wird die Stadt im Nordosten auf der neuen Schnellstraße umfahren. Taimani, Kalah-e Fatullah Khan. Alles wirkt grau, schmutzig, heruntergekommen, armselig. An der Medina-Markt-Kreuzung untersuchen Polizisten gerade eine Autoladung auf Waffen. Der Haushelfer hockt vor dem Tor. Im vertrockneten Garten begrüßen mich drei staubige Hunde. Meine Kammer ist kalt, alles von dichter Staubschicht bedeckt, die Fenster blind. Ich bin „zu Hause“.
Bei Dämmerung Taxifahrt zur Direktorin nahe dem Parlamentsgebäude im Südwesten. Die Weichen für den kommenden Tag werden gestellt: Besuch des Staatssekretärs im WG Jamhuriat. Bei Dunkelheit lässt man mich nicht allein nach Hause fahren. Die Sorge um meine Sicherheit wird drei Wochen lang nicht nur mein Denken sondern vor allem das meiner Mitmenschen bestimmen.
Am ersten Tag wird man mich wohl nicht gleich packen. Also fahre ich noch einmal mit dem Fahrrad.
Jamhuriat-Schule: Der Blick geht über ein wogendes Meer weisser Kopftücher. Morgenappell im Hof. 1300 Schülerinnen, mehrere Dutzend Lehrerinnen, kaum zu beschreibende Wiedersehensfreude bei allen. Sie wird auf dem Schulgelände die kommenden drei Wochen anhalten.
Die Fenster blinken. Die Flure sind gefegt, die Marmortreppen sauber. Die Direktorin setzte ein Beispiel, indem sie selbst den viele Jahre alten Grauschleier der Waschbecken im Lehrer WC beseitigte. In diesem Schuljahr sind Ordnung, Pünktlichkeit, Fleiss für Schülerinnen und Lehrerinnen zur Selbstverständlichkeit geworden. Arbeiten in einer harmonischen Gemeinschaft ist eine Besonderheit für Afghanistan. Die Direktorin Nasrin Tochi ist eine einmalige Frau. Sie vereint konsequente Strenge, Gerechtigkeit, mit Menschlichkeit, mit der Bereitschaft zum Zuhören, zum Ausgleichen zum Helfen. Sie reagiert schnell. Nichts wird auf die lange Bank geschoben. Die Zusammenarbeit mit dem Ministerium ist ausgezeichnet. Sie ist diejenige, die das große Hilfsprojekt des FAOK überwacht. Die anfallenden Gelder bezahlt sie stets im Beisein der Vizedirektorin, mit der sie nicht zusammen klüngelt.
Nur so war es möglich, dass ich selber nicht das ganze Schuljahr über in Kabul präsent sein musste.
Die gesamte positive Entwicklung ist jedoch letzten Endes Ihnen zu verdanken, sehr liebe Spender und Mitglieder. Nur dank Ihrem Durchhalten, mit Ihren finanziellen Beiträgen war das Riesenprojekt des FAOK all die vergangenen Monate möglich: 13 Schulbusse , Stillen des allmittäglichen Hungers von bis zu 700 Personen, die zum Bildungserfolg führende Hausaufgabenbetreuung.
Im Namen aller, die am und für das Jamhuriat-Wirtschaftsgymnasium arbeiten, danke ich Ihnen sehr herzlich.
Vermutlich werden Sie ab und zu denken: „Es gibt so viel Hunger und Not in der Welt. Warum sollen wir für dieses eine Mädchengymnasium weiter spenden?“ Täglich verfolgen Sie die Nachrichten über Afghanistan. Wie soll es in dem Land je aufwärts gehen?
Bildung ist der einzige Weg zu einer dauerhaften Lösung, und hier ganz besonders Frauen- und Mädchenbildung. Der Erfolg wird sich vermutlich nicht in kurzer Zeit zeigen. Aber die Zeit arbeitet für uns, für die am Wirtschaftsgymnasium Jamhuriat ausgebildeten jungen Frauen.
Der frühere Erziehungsminister rief die Auszeichnung „School of Excellency“ für einige allgemeinbildende Gymnasien ins Leben. Die Amani-Oberrealschule und das Lycée Aysha-e Durani gehören dazu. Das Wirtschaftsgymnasium Jamhuriat ist jetzt die erste „School of Excellency“ unter den berufsbildenden Schulen.
Durch die Entsendung von Gabriele Sedeqi im September 2007 gehört das WG Jamhuriat auch zu den Partnerschulen der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA) in Köln. G. S. hat sich inzwischen hervorragend eingearbeitet. Als Deutschlehrerin, Mentorin für alle afghanischen Sprachlehrerinnen sie kümmert sicht auch um die Englischkolleginnen -, Leiterin der deutschen Sprachabteilung im Hintergrund, engagiert sie sich weit mehr als es in ihrem Vertrag festgelegt ist. Im vergangenen Winter bildete sie afghanische Kolleginnen für den Deutsch-Alphabetisierungskurs in den 3. Klassen aus. Nach Schuljahrsbeginn legte sie bei den vielen Seiteneinsteigerinnen das Fundament für deren Eingliederung in den Deutschunterricht ihrer neuen Klassen. G.S.s Dari-Sprachkenntnisse sind inzwischen phänomenal. Sie kann sich gut ohne Dolmetscherin mit der Direktorin unterhalten und ist somit eine wirkliche Vertreterin des FAOK geworden. Sie identifiziert sich mit den Problemen des WGJ und hält den Kontakt zu Deutschen Botschaft. So ruht ein großer Teil meiner früheren Lasten nun auf ihren Schultern.
Ab dem kommenden Jahr wird eine zweite Deutschlehrerin am WGJ unterrichten. Darüber hinaus hat der Deutsche Entwicklungsdienst (DED) die Stelle einer Wirtschaftsfachkraft für „unsere Schule“ ausgeschrieben. Zumindest eine Bewerberin ist vorhanden. So wird das Lycée Jamhuriat weiter an Format gewinnen.
Im zu Ende gehenden Jahr mussten viele gute prospektive Überwechslerinnen anderer Schulen abgewiesen werden. Die Klassen waren überfüllt. Die Klassenräume reichten nicht aus. 9 Klassen mussten In Laborräumen, den Essräumen, auf Fluren, unter freiem Himmel unterrichtet werden.
Nach dem schriftlichen Versprechen des Präsidenten für Religionsschulen im Erziehungsministerium wird die Mädchen-Madrasa zu Beginn des nächsten Schuljahres aus dem 2. Gebäude ausziehen. Die Jamhuriatschule wird dann alle Räumlichkeiten wieder benutzen können, die eigens für sie vom BMZ vor 30 Jahren erbaut worden waren.
Angeregt durch den ZONTA Club Bad Säckingen und von diesem finanziell unterstützt beginnen jetzt die Vorarbeiten für den Bau einer großen Solarkocheranlage über dem Dach der Kantinenräume. So kann das WGJ auch auf dem Gebiet Umweltschutz eine Vorreiterrolle übernehmen.
In Sichuan hatte uns vor 10 Jahren immer wieder die chinesische Oper fasziniert. Unvergesslich ist uns die meisterhafte Kunst des „Gesichterwechsels hinter dem Fächer“ geblieben.
Kabul hat viele Gesichter. Hinter den Lehmmauern des Jamhuriat-Gymnasiums fühlt man sich sicher, im tiefsten Frieden. Man denkt und plant für eine Zukunft der Stabilität, des dauerhaften Fortschritts.
Draussen lauert die Gefahr. Man selber wird ihr schon nicht zum Opfer fallen. Die Eltern sind beruhigt, dass ihre Töchter mit den „sicheren“ Bussen in die Schule gelangen. Bei Selbstmordattentaten muss man lediglich in Kauf nehmen, dass die entsprechenden Straßen längere Zeit gesperrt sind und Umwege gesucht werden müssen. Man darf die Ruhe nicht verlieren.
Seit dem mörderischen Anschlag auf die Indische Botschaft im August dieses Jahres ist die „Innenministeriumsstraße“ auf der Rückseite des WGJ für normalen Verkehr gesperrt. Unsere 13 Busse dürfen hier nicht mehr abfahren. Die Indische Botschaft wird durch einen 4 m hohen Betonwall in der Straßenmitte abgeschirmt. Das Innenministerium gleicht einer Festung. Polizeifahrzeuge und Militärautos rasen entlang. Fußgänger, auch ich, werden misstrauisch beäugt.
Basarzeilen ganzer Straßenzüge werden Opfer von Planierraupen. Abgerissene Häuserhälften eröffnen Einblick in die Eingeweide Kabuler Wohnungen.
Unser großer Garten der siebziger Jahre, das Spielparadies unserer Kinder, ist zu einem wohl 20 m tiefen Krater geworden. Dahinter ragt das Betonskelett für ein zukünftiges Bürohochhaus in den Himmel.
Glaspaläste anstelle der ehemals lauschigen Gärten in der Shar-e Nau!
Dort, wo es sie noch gibt, kauern die Dukandare in ihren kleinen Lädelchen. Ihre leuchtenden Augen des Wiedersehens vergisst man nicht.
Die Nonwois kneten und formen immer noch das Fladenbrot. Darf ich frühmorgens um die Ecke gehen und ein knuspriges duftendes selber erstehen?
Überhaupt: Was darf ich? Besser: was darf ich nicht? Ich darf nicht alleine auf die Straße. Könnte sich nicht hinter der Blechtür im Gang auf der anderen Straßenseite jemand verbergen? Ich darf nicht alleine im Taxi fahren. Im Schulbus zieht der Fahrer Dagarwal neben mir vorsorglich die roten Vorhänge zu. Die Schülerinnen erstarren zu Eis. Die mitfahrende Ausländerin könnte sie in Gefahr bringen.
Tag für Tag bin ich unterwegs. Oft begleitet der Küchenhelfer Majid „seine Tante aus Europa“, die dann schweigsam im Taxi sitzt oder in landesüblichem Abstand hinter ihm her trippelt.
- Die Deutsche Botschaft -ein Hort der Ruhe, der Sicherheit, der guten
- Das Goethe-Institut - 700 Sprachschüler lernen dort intensiv Deutsch. Die besten Kursteilnehmer, zwei Schüler der AORS sind im Januar 2009 bei „Goethe“ in Berlin zu Gast. Eine WGJ-Lehrerin erhält ein Stipendium für Indien.
- Das Büro des Deutschen Entwicklungsdienstes (DED) -Gespräche wegen der Wirtschaftsfachkraft
- Das „Afghanistan Technical and Vocational Institute” (mit Koedukation) ins Leben gerufen vom ehemaligen Präsidenten für Berufsschulen, Prof.Dr. Omary. Der Unterricht in den „Klassen“ 13 und 14 entspricht nahezu amerikanischem Niveau.
- Die Wirtschaftsfakultät der Universität Kabul. Anmeldung unserer zwölften Klassen zum erhofften Schnupperstudientag
- Die Standard Chartered Bank: Ein Wachmann: „Gott sei Dank! Sie kommen ohne Fahrrad“.
- Die Werkstatt von Georg Westermayer: Sie wird am Bau der Solaranlage für unsere Küche mitwirken.
- Das Irene-Salimi-Hospital: Immer wieder schicke ich afgh. Familien mit ihren Kindern zu diesem einmaligen Krankenhaus mit deutschem Standard
- Die Amani-Oberrealschule: Sie liegt in der „amerikanischen Enklave“
Für Taxis verboten. - Von der Kreuzung bei der Türkischen Botschaft laufe ich zu Fuß, durch vorbeirasende Militärfahrzeuge an den Rand gedrängt. Auf der von Betonblöcken immer wieder eingeengten Straße, patrouillieren schwer bewaffnete amerikanische Söldner. Dann links: ein Eisenpalisaden-Ring.- Der Schlagbaum wird von einem afghanischen Soldaten hochgezogen. Unter dem verblichenen Bauschild aus dem Jahre 2003 drängen sich die Schülerfahrräder draussen an der Schulmauer. Sie sind auf dem Schulgelände verboten. Gleich hinter der martialisch wirkenden Gitterdrehtür neben dem Wächterhäuschen werden alle Neuankömmlinge abgetastet.
Die prachtvolle, imposante Klinkerstein-Schulanlage beeindruckt jeden Besucher. Auf dem Schulhof wehen die deutsche und die afghanische Flagge. Darunter grüßt ein überlebensgroßes Foto von König Amanullah. An den steinernen Tischtennisplatten jagen kleine Jungen nach Bällen. Im Innenhof sonnen sich einige Arbeiter. Ein Pulk älterer Schüler drängt sich in einer entfernten Ecke. Da fehlt wohl der Lehrer!
Der lange, früher so triste graue Gang im Verwaltungsgebäude wirkt einladend in seinen ockergelben Farben mit den braunrot getönten Türrahmen. Die kleinen Holztäfelchen neben den Türen informieren auf Dari und Deutsch n i c h t Englisch wie vor wenigen Jahren - in der immer deutschsprachigen AORS. Frau Nassima ihr Ehemann arbeitet schon seit vielen Jahren als Dozent am deutschen Seminar der Universität Kabul residiert im ersten Zimmer. Sie hat die deutschen Vorgängerinnen als Sekretärin abgelöst. Gleich daneben haben drei deutsche Lehrkräfte ihr separates (!) Lehrerzimmer. Zwei Türen weiter thront die würdige, von blinkenden Sporttrophäen umrahmte afghanische Direktorin und gibt Anweisungen zur Disziplinverbesserung. Fast am Ende des Flurs empfängt der deutsche Koordinator Dr. Hans Thieme die Besucher in seinem spartanisch eingerichteten Zimmer. Die neue Farbgebung ist sein Werk. Stolz zeigt er die deutsch-afghanische Wand gleich vor dem LESESAAL mit der altehrwürdigen Marmortafel „Nedjat-Oberrealschule“ und die neu eingerichtete Schulbibliothek.
Haben die über 3500 Schüler es gut! Große, helle Klassenzimmer mit wunderschönen, aus Deutschland importierten Schulmöbeln, großen Tafeln, ganze Laboretagen für Physik, Biologie und Chemie, in denen die afghanischen Fachlehrer über bestens ausgestattete Sammlungen verfügen.
Die Schule beginnt mit der 1. Grundschulklasse. Bis Klassenstufe 6 werden auch Mädchen unterrichtet. Es gibt 2 Schichten. Ab Klassenstufe 5 existieren 6 8 Parallelklassen mit je 30 40 u.U. auch einmal 45 Schülern. Die A und B-Klassen sind jeweils Leistungsklassen, aus denen die 3 deutschen Lehrkräfte wiederum je 20 Schüler auswählen. Die normalen Deutschklassen erhalten 4 Wochenstunden Unterricht. Den Sonderklassen der deutschen Lehrer werden 6 Stunden pro Woche erteilt.
- Der Kabulfluss ist trocken. Zwischen dem Plastikunrat suchen Schafe nach etwas Essbarem. Auf dem schmalen Steg döst ein Bettler, Händler nutzen das Geländer für ihre bunte Ware. „Choridji“ (Ausländer) ruft mir ein Entgegenkommender etwas aggressiv zu. - „Tsch’iist?“ „Was ist?“ (ein paar Meter wird man wohl in der Altstadt als Europäerin noch allein gehen können!). Er lächelt verdutzt.
Auf der Südseite des Flusses liegt das wunderschöne alte Gebäude des Aysha-e DuraniMädchengymnasiums inmitten eines gepflegten Gartens, eine wahre Oase. Bis um 5 Uhr nachmittags hätte ich kommen können. Nun ist die neue Direktorin schon vor eins nach Hause gegangen.
Die Schule mit ihren knapp 1500 Schülerinnen hat 45 Klassen mit je 30 40 Schülerinnen. Seit 2003 wird dort von zwei sehr engagierten deutschen Auslandslehrerinnen DaF ab Klassenstufe 4 unterrichtet und somit das früher an der AyDu übliche Englisch abgelöst. Die deutschen Kolleginnen fördern die Besten in speziellen Leistungsklassen. Diese Schülerinnen haben zu den üblichen 3 4 WStD zusätzlich 2 Deutschstunden. Englisch ist Unterrichtssprache als „Auslaufmodell“ in den Klassen 11 und 12. In diesem Jahr wurde nach Vorbild des WGJ ein abgespecktes Modell der Hausaufgabenförderung in 3 Fächern verwirklicht. Das KuMi des Bundeslands Hessen unterstützt diese Schule, die immer wieder Ziel von deutschen Fernesehteams ist.
Für die Mitarbeiter aller drei Schulen konnte der FAOK zum Lehrertag wieder das sehnlichst erwartete Geldgeschenk verteilen. Danke!
Dieser Bericht, besonders über die Arbeit an den Schulen mag den Eindruck eines geordneten sicheren Lebens vermitteln. Aber: Tag für Tag, Nacht für Nacht geschehen irgendwo Überfälle, Entführungen afghanischer Landsleute. Davon erfährt man in den deutschen Medien nichts.
Wie wird es weitergehen am Hindukusch?
Der Einfluss der Taliban wächst unaufhaltsam und wird wohl weiter wachsen. Längst sind der Osten, Südosten, Süden, Südwesten fest in ihrer Hand. Dort wo es Paschtunen gibt, gibt es auch Taliban. Das Ziel der Paschtunisierungspolitik der Shahs aus afghanisch-paschtunischen Herrscherhäusern war, Paschtunensiedlungen überall im ganzen Land. So gibt es heute keine geschlossenen Usbeken,Turkmenen-, Tadjikensiedlungsgebiete mehr. Paschtunendörfer sind Talibanstützpunkte. Natürlich leben in und um Kabul Taliban. Polizei und Armee sind infiltriert. Bekämpfung dieser eigenen Landsleute mit finanziellem und strategischem Rückhalt in Pakistan ist aussichtslos. Taliban sind nicht gleichzusetzen mit Terroristen.
Was bedeuten ISAF-Camps in diesem Szenario? Welche Bedeutung haben die Patrouillen der Bundeswehr in den Städten des Nordens? Wie steht es um das Selbstverständnis dieser Soldaten für die unausbleibliche Gefahrensituationen?
„Wären sie nicht präsent gäbe es Bürgerkrieg“ heisst es. Existiert er in manchen Teilen des Landes nicht jetzt schon?
Wiederholt hat sich Karzai um Einbindung von Talibanführern in seine Regierung bemüht. Umsonst. Sie beanspruchen die Alleinherrschaft.
Was würde das für Afghanistan bedeuten? In Paschtunengebieten würden Ruhe und Ordnung einkehren. Weniger Korruption, kaum Kriminalität, keine Selbstmordanschläge. Nach dem Gesetz der Sharia würde verurteilt, hart, rücksichtslos. Würde es dann noch Mädchenschulen, Mädchengymnasien, ein Mädchen-Wirtschaftsgymnasium geben? Wie würden sich die übrigen ethnischen Gruppen verhalten? Würden sie die paschtunische Vorrangstellung akzeptieren? Im vergangenen Jahrhundert waren die afghanischen Herrscher stets Paschtunen und wurden von den anderen akzeptiert. Taliban-Massaker an Hazarah in Yakaulang, Hazarah-Massaker an den Taliban in Mazar-e Sharif sind grausige Dokumente der jüngsten Vergangenheit für das Verhältnis dieser beiden Ethnien jetzt.
Im Jahr 2009 stehen Präsidentschaftswahlen an. Karzai wird wieder kandidieren. Er hat kaum Aussicht auf Erfolg. Als offenes Geheimnis gelten zwei weitere Bewerber, Jalaly, früherer afgh. Innenminister, ein Militärmann, der bereits seit Jahren an einer amerikanischen Universität lehrt und Khalilzad, langjähriger US-Botschafter in Kabul. Beide wären Marionetten der Amerikaner. Das augenblickliche afghanische Kabinett ist durchsetzt von Exilafghanen, würden die Wähler einen Exilafghanen an der Regierungsspitze akzeptieren? Wie würde dessen Politik aussehen Fortführung der augenblicklichen kriegerischen Auseinandersetzungen? Welche Garantien gäbe es für eine Rückkehr der inneren Sicherheit?
Afghanistan geht schweren Zeiten entgegen. Wir wollen den Menschen dort auf dem Weg zum Frieden helfen, zu einem besseren Leben. Bildung, Mädchenbildung ist ein Weg zum Frieden. Helfen Sie durch Ihr finanzielles Engagement mit, diesen Weg fortzusetzen.
Verleben Sie gesegnete Weihnachtstage und beginnen Sie das neue Jahr bei guter Gesundheit. Mögen Sie alle 2009 von schweren Schicksalsschlägen verschont bleiben.
Mit herzlichen Grüßen
Ruthild Meyer-Oehme
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