Ruthild Meyer-Oehme
ehrenamtl. Beraterin am WG Jamhuriat
z.Z. Im Weingärtle 2
D-79424 Auggen
Tel.: 07631-170659, Tel./Fax: 07631-747084; meyeroehme@t-online.de
Homepage: www.amani-ors-kabul.com
Kurzinformation
Liebe Mitglieder, liebe Spender und Freunde des FAOK,
„Helfen ist cool, wir laufen nach Kabul“! unter diesem Motto stand am 23. Juli der 5. Internatonale Altstadtlauf in Bad Säckingen. Er wurde vom Frauen-Club ZONTA Sektion Bad Säckingen als Sponsorenlauf für den Bau einer Solaranlage im WG Jamhuriat mit veranstaltet. .Einen Euro für einen gelaufenen Kilometer. Die „duftende“ Zahl 4711 war das vorläufige Ergebnis. Die Flugdistanz Bad Säckingen - Kabul beträgt 5180 Km. Ob die fehlenden 396 € auch noch gespendet werden? Dann wäre der Bau der Solaranlage auf dem Dach der Essräume des WG Jamhuriat gesichert. Es müsste nicht mehr mit Holz gekocht werden, denn die letzten Knüppel und Wurzeln werden als Folge der rücksichtslosen Entwaldung Ostafghanistans zu horrenden Preisen abgewogen.
Die von einem deutschen Ingenieur in vielstündiger, ehrenamtlicher Arbeit angefertigten Pläne erhalten im März dieses Jahres sofort das OK des Vizeministers und des Präsidenten der Bauabteilung. Die 12 Parabolspiegel konnte ich im Frühjahr in Kabul bereits teilweise im Rohbau besichtigen. Im Augenblick wird in Kabuler Werkstätten die stählerne Unterkonstruktion gebaut.
Liebe Rundbriefempfänger, auch wenn Sie 2009 noch keinen Bericht erhielten - Es gibt ihn noch, unseren Förderverein!
Vor 14 Tagen überwies der Vorstand vom FAOK-Konto 10.000,- € auf das Kabuler Vereinskonto, damit unser Vereinsmitglied G.Sedeqi das Malen der Essräume, der Küche, das Abschleifen und Malen der Esstische und Bänke und vieles andere Mehr bezahlen kann.
Wie all die vergangenen sechs Jahre hat der FAOK im Mai wieder allen Beschäftigten an „unseren“ drei Kabuler Gymnasien den Lehrertagsbonus von einem Mitglied unseres Vereins überreichen lassen können.
Dadurch ist beim FAOK-Konto in Deutschland jetzt sozusagen Ebbe eingetreten. Eine Auffüllung ist daher sehr, sehr nötig. Liebe Mitglieder, Spender und Freunde! Unser Förderverein arbeitet auf Spendenbasis. Somit hoffen wir auf Ihr nicht erlahmendes Interesse an den drei Kabuler Schulen. Bitte denken Sie auch weiterhin an den FAOK und seine Hilfs-Programme. Er kämpft nicht mit Waffen
Nachrichten aus Kabul: In diesen Tagen finden bei 43 Grad an den drei Gymnasien die allsommerlichen Zwischenprüfungen statt. Dann beginnen die Hitzeferien. Nach den Wahlen, deren Ausgang mit der Wiederwahl Hamid Karzais am 20. August schon absehbar ist, wird zu Beginn des Fastenmonats auch der Schulunterricht wieder anfangen. Allerdings muss man in Afghanistan immer auf Überraschungen gefasst sein.
Bald nach der jährlichen Mitgliederversammlung diesmal am 14. Februar, flog ich nach Kabul und verbrachte dort drei arbeitsreiche Wochen. Dabei bewegte ich mich so frei wie all die Jahre zuvor und fühlte mich sicher. Ein Bericht, der am Nauroz-Tag entstand, wurde nie fertig und daher auch nicht abgeschickt. Seit meiner Rückkehr am 31. März bin ich in Deutschland sehr stark familiär engagiert und nur ab und zu daheim.
In Kabul besuchte ich nach Schuljahrsbeginn alle drei von Deutschland geförderten Gymnasien und war besonders stolz auf die Fortschritte am Wirtschaftsgymnasium Jamhuriat.
Im vergangenen Jahr konnte der FAOK dort alle Aktivitäten: Busse, Mittagessen und Hausaufgabenbetreuung sowie viele andere Dinge finanzieren. Dadurch waren seine Mittel zu Jahresende weitgehend aufgebraucht worden. Wäre eine große deutsche Hilfsorganisation mit breiter staatlicher Unterstützung nicht in die Bresche gesprungen, so hätte das seit 2005 laufende Projekt für die 1300 Schülerinnen nicht fortgesetzt werden können. Nun aber läuft alles, Busse, Mittagessen für 700 800 Personen, Hausaufgabenbetreuung unter der Oberaufsicht der sehr fähigen afghanischen Direktorin Nasrin Tokhi und der „grauen Eminenz,“ Gabriele Sedeqi, im Hintergrund sehr gut weiter. Inzwischen beteiligen sich die Schülerinnen in geringem Maß an den Buskosten.
Seit Schuljahrsbeginn arbeiten zwei weitere von Deutschland (ZfA und ded) entsandte Lehrkräfte mit großem Erfolg am WG Jamhuriat. Zwei Kolleginnen unterrichten DaF, die dritte Kollegin ist für die Wirtschaftsfächer zuständig. Auf der Oberstufe wurden Leistungsklassen eingeführt und somit das Niveau gewaltig verbessert. Nach einer deutschen Fachlehrerin für die Förderung des deutschsprachigen Computerunterrichts und für besseren Englischunterricht bin ich mit Rückenstärkung des zuständigen afghanischen Vizeministers weiterhin auf der Suche.
Zum Schuljahrsbeginn im März drängten sich die Eltern mit neu anzumeldenden Töchtern vor dem Direktorat. Leider mussten die meisten weggeschickt werden, da die Schule immer noch unter extremem Raummangel leidet. Es fehlen inzwischen 10 Klassenzimmer. Dieser Zustand ist dem Eliteschulstatus verständlicherweise nicht sehr förderlich. Dennoch wurden 16 Lehrerinnen, die Direktorin und Vizedirektorin eingeschlossen, vom Ministerium für ihre herausragenden Leistungen zu Beginn des neuen Schuljahrs besonders geehrt. Die Schulleitung betont die sehr guten Ergebnisse der letzten Abschlussprüfungen im vergangenen Spätherbst. Alle Schülerinnen fanden entweder einen Job oder erhielten an der Kabuler Uni, beziehungsweise anderen Institutionen, einen Studienplatz. Sechs Absolventinnen sollen sogar ein Stipendium für indische Universitäten erhalten haben. Die deutsche Botschaft zeigt wachsendes Interesse. Vor einiger Zeit besuchte der deutsche Botschafter das WG Jamhuriat und war dem Vernehmen nach - sehr angetan.
Während meines Besuchs versuchte ich wieder tagelang eine Lösung des Raumproblems herbeizuführen. In einem Marathonlauf suchte ich immer wieder die verschiedensten Abteilungen des Erziehungsministeriums auf Schließlich schien es, als würden meine Bemühungen, für die Mädchen-Madrasa eine neue Bleibe zu finden, erfolgreich sein. Aber nach meinem Abflug bleibt alles beim Alten.
Die Amani-Oberrealschule gleicht hinter der geschlossenen Schranke und dem eisernen Palisadenzaun einem Luxusgefängnis. Im Hof wartet das kolorierte Standbild des Namensgebers auf die spärlichen Besucher. Die afghanische Direktorin gibt sich forsch. Ob sie allerdings „Ordnung in den Laden“ bekommt, wage ich zu bezweifeln. Die afghanischen Kollegen nehmen es mit dem Stundenbeginn nicht so genau. Das Rumoren in manchen Klassenzimmern scheint ein Indiz für die Abwesenheit des jeweiligen Fachlehrers zu sein. Ich besuche unterschiedlichen Physikunterricht in Klassenzimmern. Es finden kleine Versuche statt: eine Tesafilmrolle, als Pendel am Faden unter einem Zirkel hin- und herschwingend. Die Physik-Etage steht leer. Auch Biologie- und Chemietrakt sind leer. In dem vom deutschen Koordinator, Herrn Dr. Thieme eingerichteten Deutsch-Fachraum herrschen deutsche Verhältnisse: kleine Klassen alle Hilfsmittel. Ich vergleiche mit dem völlig überfüllten Deutschraum im WG Jamhuriat. Die ärmlichen Schuldiener der AORS erinnern sich an die FAOK- Unterstützung früherer Jahre und bitten um finanzielle Hilfe.
Die neue Direktorin des Aysha-e Durani-Mädchengymnasiums wünscht Förderung ihrer Schule in größerem Maße. Von Deutschland käme nichts! Die deutsche Kollegin ist darüber sehr erstaunt und anderer Ansicht. Zwei junge Afghaninnen erteilen Anfangsunterricht in Deutsch: 15 Schüler/innen. (Am WG Jamhuriat zwängen sich 50 Mädchen in die engen Bankreihen.) Die Kunstlehrerin bittet um Scheren, Farbstifte und Zeichenblöcke.
Für Mitte September plane ich erneut einen dreiwöchigen Aufenthalt in Kabul. Es wird viel zu tun geben. Ob ich dann die verschiedenen Wünsche der drei Schulen mit Ihrer Hilfe erfüllen kann? Bitte helfen Sie!
Zusammen mit den anderen Vorstandsmitgliedern, Dr. Detlef Meyer-Oehme Vorstandsvorsitzender, Herrn Hannspeter Disdorn Stellvertretender Vorsitzender, Herrn Gerold Müller Schatzmeister des FAOK grüßt Sie alle herzlich
Ruthild Meyer-Oehme
(Schriftführerin)
P.S.: Inzwischen ist der Spendenstand als Ergebnis des Bad Säckinger Sponsorenlaufs weiter angewachsen: 6500€. Die Läufer befinden sich bereits auf dem Rückweg (Kabul Bad Säckingen).
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