Badische Zeitung: Mittwoch, 30. November 2005
MARKGRÄFLER NACHRICHTEN
Jutta Schütz:

Nicht nur warmes Essen ist wichtig

Das Auggener Ehepaar Detlef und Ruthild Meyer-Oehme setzt sich seit Jahren für Schüler in Afghanistan ein

Auggen (jut). Gerade bekamen sie von den Landfrauen Auggen eine Spende in Höhe von 250 Euro für "ihr" Mädchengymnasium in Kabul/Afghanistan überwiesen: Detlef und Ruthild Meyer-Oehme aus Auggen können für ihre engagierte Arbeit "jeden Euro gebrauchen", wie Ruthild Meyer-Oehme sich ausdrückt. Die Auggenerin ist derzeit in Deutschland unterwegs, um auf ihre Arbeit in der afghanischen Hauptstadt aufmerksam zu machen. Der Winter ist ihre Zeit, für das Projekt zu werben, denn dann ist es in Afghanistan eisig kalt und " da es kein Material zum Heizen gibt" werden die Schulen bis Mitte März geschlossen. "Ihre" Schule, das berufliche Gymnasium Lycée Jamhuriat, gehört genauso wie die Amani Oberrealschule, ein Jungen-Gymnasium, und das allgemeinbildende Mädchengymansium Lycée Aysha-e-Durani zu den Schulen, die der 2000 in Auggen gründete "Förderverein Amani-Oberrealschule/Kabul (FAOK) e.V." unterstützt.

Dem Ehepaar, das fast das ganze Jahr in Kabul präsent ist, liegen in diesem Jahr besonders die Mädchen des Lycée Jamhuriat am Herzen, die aus der Unter-und Mittelschicht der afghanischen Hauptstadt stammen. Bis heute ist es nicht selbstverständlich, dass Mädchen in Afghanistan ausgebildet werden - Jungen haben den Vorrang, lernt man aus den Berichten Meyer-Oehmes.

Mathezeichengeräte werden der afgh. Fachlehrerin übergeben
Mathezeichengeräte werden der afgh. Fachlehrerin übergeben

Um die Mädchen "in die heutige moderne Welt einzuführen" hat das Ehepaar nichts unversucht gelassen und hat aktiv viele in Frage kommende Firmen angesprochen, die im Bereich Technik führend sind. Mit Erfolg, denn ein großer deutscher Elektronikkonzern spendete Computer und vernetzt diese gerade in der Schule, die GTZ stiftete neuestes Kartenmaterial und über die ISAF (International Security Assistance Forces), die internationalen Sicherheitstruppen in Afghanistan, bezieht man teilweise das für die Schüler wichtige Papier. Das baden-württembergische Erziehungsministerium hat sich zudem am Aufbau einer Biologiesammlung beteiligt.

Im 1957 gegründeten Lycée Jamhuriat, das während der Herrschaft des Taliban-Regimes sechs Jahre geschlossen war, gab es einen schwierigen Neuanfang - die Gebäude waren teilweise zerstört und Fördermittel flossen und fließen gar nicht oder langsam. Mittlerweile gibt es neben dem Fächerangebot, das auf Berufe in Wirtschaft und Verwaltung abgestimmt ist und neben Deutsch noch Englisch als Fremdsprache anbietet, einen Mittagstisch, Hausaufgabenbetreuung, einen Küchenneubau und auch einen Bustransfer für die 640 Schülerinnen.

Blick in den Schulbus
Blick in den Schulbus

Letzterer ist genauso wichtig wie ein warmes Essen, denn "die Mädchen würden ohne Bustransport sonst zu Hause für die Familie arbeiten und gar nicht zur Schule kommen", erzählt Ruthild Meyer-Oehme. Gelder in Höhe von monatlich fünf oder zehn Euro für Fortbildungen am Goethe-Institut, die Europäern eher lächerlich erscheinen, sind von den armen afghanischen Familien nicht zu stemmen. Auch hier springt der Förderverein ein, der die Schule auch mit allen Lehr- und Lernmaterialien ausgestattet hat.

"Für uns ist es schön, die Begeisterung der Mädchen fürs Lernen zu beobachten - die Kinder wollen ihre Verhältnisse verbessern", sagt die Auggenerin, die selbst an der Schule unterrichtet, und nun hofft, das "ziemlich leere Fördervereinskonto" während ihres Heimatbesuchs wieder aufstocken zu können.

Wer den Förderverein unterstützen möchte, kann spenden an FAOK, Sparkasse Markgräflerland, BLZ 68351865, Konto 8126500. Meyer-Oehmes sind zu erreichen unter der e-mail Adresse meyeroehme@aol.com, Fragen beantwortet auch der stellvertretende Vorsitzende des Vereins Gerold Müller, Tel.: 0741/43406.