Übersichtsbeiträge zu Förderungsaktivitäten

Amani-ORS und Mädchengymnasium Aysha-e-Durani

Samstag, 20. Dezember 2003

Arbeitsgruppen - Dimensionen des Wiederaufbaus

Aufbau des Schulwesens: Förderung der Amani-Oberrealschule und des Mädchengymnasiums Aysha-e-Durani

Dr. Detlef Meyer-Oehme, Vorsitzender des „Förderverein Amani-Oberrealschule Kabul (FAOK)“, Auggen und Kabul

An Hand von 100 Farbdias wurden den AG-Teilnehmern die verschiedenartigen Förderungen der beiden allgemein bildenden Kabuler Gymnasien in bzw. seit der Talibanzeit vor Augen geführt und mit ihnen erörtert. Einige kompetente Anwesende bereicherten das Gespräch mit wertvollen Beiträgen und Zusatzinformationen.

Die Förderung der Amani-Oberrealschule (AORS) erfolgte nach der Eroberung Kabuls durch die Taliban zunächst durch das persönliche Engagement der Liegenschaftsverwalterin der Deutschen Botschaft, Frau Irene Salimi. In couragierter Weise wendete sie die Umwandlung der AORS in eine Madrassa ab und unterstützte den 1998 wieder auflebenden Schulbetrieb so weit wie möglich. Zudem gewann sie Gerolf Dechentreiter vom German Medical Service (GMS) für die erste bauliche Sanierung. Durch seinen unermüdlichen Einsatz konnte auf der Basis von Hilfsgeldern für „Food for Work“ jahrelang eine Grundsanierung ausgeführt werden. Dabei musste er mit den Materialien auskommen, die auf dem Bazar zur Verfügung standen und war ganz auf einheimische Handwerker und Arbeiter angewiesen.

Nach Gründung des „Förderverein Amani-Oberrealschule Kabul (FAOK)“ im Frühjahr 2000 kam die Unterstützung durch diesen privaten Verein des Vortragenden hinzu: Vor allem Lebensmittelhilfe an die Schulbediensteten aber auch mehr und mehr Unterstützung des Lehrbetriebs durch Lehrmittel und Bücher, insbesondere für den mathematischen und naturwissenschaftlichen Unterricht. Auch der Sportunterricht (anfänglich noch erlaubt) wurde gefördert. Noch zu Talibanzeit kamen in Kabul angefertigte Schulmöbel hinzu, 2002 auch die ersten Computer.

Im Frühjahr nach der Petersberg-Konferenz setzt dann die deutsche staatliche Förderung ein. Eine großzügige bauliche Rekonstruktion im Auftrag des Auswärtigen Amtes begann, die jetzt ihre Endphase erreicht hat. Auch die pädagogische deutsch-afghanische Zusammenarbeit begann nach langer Zwangspause erneut. Zurzeit arbeiten vier von der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen im BVA entsandte deutsche Lehrer, darunter einer als Koordinator und Fachberater Deutsch. Der Beginn des Deutschunterrichts wurde nach Klassenstufe 4 vorverlegt, die Wochenstundenzahl für DaF auf 4 erhöht.

Die Fördertätigkeit des FAOK läuft weiter. An die Stelle von Naturalienspenden sind Bonuszahlungen zu besonderen Gelegenheiten (Neujahrsfest, Lehrertag, Id-e-Ramazan) getreten. Es konnten aus Deutschland mathematische und naturwissenschaftliche Lehrbücher beschafft und an die Fachlehrer verteilt werden. Für alle Lehrer und Lehrerinnen beider Gymnasien wurden im Auftrag des FAOK Sehkontrollen durchgeführt und Brillen auf Vereinskosten besorgt. Der Vortragende erteilte kommunikativen Deutschunterricht an interessierte Kolleginnen, Kollegen und die Schulleitung. Die kulturellen Darbietungen des LESESAALS wurden wieder aufgenommen.

Die Förderung des Mädchen-Gymnasiums Aysha-e-Durani (AyDu) war in der Talibanzeit natürlich nicht möglich, da es während deren Herrschaft geschlossen

war. Eine erste Notsanierung nach Wiedereröffnung 2002 führte die ISAF, Abteilung CIMIC durch.

Gemäß der Petersberg-Zusage übernahm die Bundesrepublik Deutschland neben der Wiederherstellung der AORS auch die der Aydu. Die umfangreichen Bauarbeiten sind noch nicht abgeschlossen. Zwei von der ZfA entsandte deutsche Lehrerinnen haben den Deutschunterricht bei ca. der Hälfte der Klassenstufe 4 begonnen. Der FAOK nahm seine Fördertätigkeit für die AyDu im Jahr 2002 auf. Die Aktivitäten (finanzielle Zuwendungen an die Bediensteten, Hilfe bei der Bestellung von naturwissenschaftlichen Lehrmitteln, Augenkontrollen und Sehhilfen für alle Lehrerinnen u.s.w.) dauern an und sollen auch 2004 fortgesetzt werden.